Mortalium animos („Die Seelen der Sterblichen“) ist neben Quas primas über das Königtum Christi und Casti conubbii über die christliche Ehe eines der wichtigsten Dokumente aus dem Pontifikat von Pius XI. Sein Hauptthema ist das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den anderen Konfessionen und die Unzulässigkeit der Teilnahme an oder Unterstützung von ökumenischen Versammlungen. Wenn man dieses Dokument liest, fällt sofort auf, wie alle seine Hauptgrundsätze ständig von den jüngsten angeblichen „Päpsten“ missachtet werden.
Dieses Dokument erklärt gut, dass „Einheit“ nur Einheit im Glauben bedeuten kann und dass die Einheit aller Christen nur erreicht werden kann, wenn alle nicht-katholischen Christen zu der einen wahren Kirche zurückkehren, die von Christus gegründet wurde.
Jesus betete im Johannesevangelium, Kapitel 17, zum Vater: „Aber nicht für sie allein bitte ich, sondern auch für diejenigen, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, damit alle eins seien, wie du, Vater! in mir, und ich in dir, damit auch sie in uns eins seien; damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.” (Johannes 17,20-21) Sein Gebet war zu 100 % wirksam, da Er Gott ist und der Vater ebenfalls Gott ist. Wie Pius XI. erklärt, war dieses Gebet kein Wunsch nach einem Ideal in der Zukunft.
Wie alle Katholiken wissen sollten, ist die Kirche die „eine, heilige, katholische und apostolische“ Kirche. Die Kirche ist „eins“ und war seit dem ersten Tag „eins“. Die Einheit ist bereits vorhanden und ist eine göttliche Garantie. Diejenigen, die die Kirche verlassen haben, sind von der Einheit abgefallen.
„Ist es nicht billig, ‐ so sagt man ‐ ja, ist es nicht heilige Pflicht, dass alle, die den Namen Christi anrufen, von den gegenseitigen Verketzerungen ablassen und endlich einmal durch das Band gegenseitiger Liebe verbunden werden? Wie könnte denn jemand den Mut haben zu sagen, er liebe Christus, wenn er sich nicht nach besten Kräften für die Erfüllung des Wunsches Christi einsetzt, der da den Vater bat, dass seine Jünger eins seien. War es nicht auch der Wille desselben Christus, dass seine Jünger daran erkannt und dadurch von allen anderen unterschieden werden sollten, dass sie sich gegenseitig lieben: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt. Ja, so fügensie hinzu, möchten doch alle Christen “eins” sein! […] Unter diesen überaus verlockenden und einschmeichelnden Worten verbirgt sich aber ein schwerer Irrtum, der die Grundlage des katholischen Glaubens vollständig zerstört und untergräbt.“
„An dieser Stelle müssen wir eine falsche Ansicht erwähnen und zurückweisen, von der diese ganze Frage abhängt, und von der auch die ganze vielgestaltige Arbeit und die Versuche der Nichtkatholiken zur Wiedervereinigung der christlichen Kirchen, die Wir oben erwähnt haben, ihren Ausgang nehmen. Die Vorkämpfer dieser Bemühungen führen unzählige Male das Wort Christi an: Damit alle eins seien, und: Es wird werden ein Hirt und eine Herde. Diese Worte führen sie aber immer so an, als ob darin ein Wunsch und ein Gebet Jesu Christi zum Ausdruck kämen, die noch der Erfüllung harren. Sie sind nämlich der Meinung, die Einheit im Glauben und in der Leitung der Kirche, die ein Kennzeichen der wahren und einen Kirche Christi ist, habe bisher wohl noch zu keiner Zeit bestanden und bestehe auch heute nicht. Man könne diese Einheit wohl herbeisehnen, und sie könne vielleicht auch einmal durch den gemeinsamen Willen aller erreicht werden, aber für unsere Zeit sei sie nur ein schöner Traum.“
„Bei dieser Sachlage ist es klar, dass weder der Apostolische Stuhl in irgendeiner Weise an ihren Konferenzen teilnehmen kann, noch dass es den Katholiken irgendwie erlaubt sein kann, diese Versuche zu unterstützen oder an ihnen mitzuarbeiten. Wenn sie das täten, so würden sie einer falschen christlichen Religion, die von der einen Kirche Christi grundverschieden ist, Geltung verschaffen. Können wir dulden, was doch eine große Gottlosigkeit wäre, dass die Wahrheit, und zwar die von Gott geoffenbarte Wahrheit zum Gegenstand von Verhandlungen gemacht wird?“
„In Wirklichkeit gab der eingeborene Sohn Gottes seinen Gesandten den Auftrag, alle Völker zu lehren, und zugleich legte er allen Völkern die Pflicht auf, das anzunehmen, was ihnen durch die von Gott vorherbestimmten Zeugen verkündet würde. Diesem Gebot hat er die Sanktion gegeben: Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Dieses Doppelgebot Christi, das Gebot der Lehrverkündigung und das Glaubensgebot, das zur Erlangung des ewigen Heiles den Glauben fordert, muss zu allen Zeiten erfüllt werden. Beide Gebote sind aber ganz unverständlich, wenn die Kirche die Lehren des Evangeliums nicht unversehrt und leicht fasslich vorlegt, und wenn sie bei dieser Glaubensverkündigung nicht von jedem Irrtum frei ist. […]“
„Es hat zwar den Anschein, als ob die Panchristen, die sich um die Wiedervereinigung der Kirche bemühen, das erhabene Ziel verfolgten, die Liebe unter allen Christen zu verbreiten. Wie könnte aber die Liebe zu einer Schädigung des Glaubens führen? Wir wissen doch alle, dass selbst Johannes, der Apostel der Liebe, der in seinem Evangelium wohl die innersten Geheimnisse des heiligsten Herzens Jesu geoffenbart hat, und der den Seinen das neue Gebot: Liebet einander immer wieder in Erinnerung brachte, streng jeden Verkehr mit denen verboten hat, die Christi Lehre nicht rein und unverfälscht bekennen: Kommt einer zu euch und bringt diese Lehre nicht mit, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und bietet ihm keinen Gruß. Weil also die Liebe nur auf der Grundlage eines reinen und unverfälschten Glaubens aufbauen kann, müssen die Jünger Christi durch die Einheit des Glaubens als dem vorzüglichsten Band miteinander verbunden werden.“
„Wir können nicht sehen, wie bei solchen Meinungsverschiedenheiten ein Weg zur Einheit der Kirche gefunden werden kann, da diese Einheit nur aus der Einheit des Lehramtes und der Einheit der Glaubensregel und der Einheit des Glaubens in der ganzen Christenheit entstehen kann. Wohl aber wissen Wir, dass auf diese Weise leicht der Weg zu einer Geringschätzung der Religion, nämlich zum Indifferentismus und zum Modernismus geebnet wird. […]“
„Daraus geht hervor, ehrwürdige Brüder, aus welchen Gründen der Apostolische Stuhl niemals die Teilnahme der Seinigen an den Konferenzen der Nichtkatholiken zugelassen hat. Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. Zu der einen wahren Kirche Christi, sagen Wir, die wahrlich leicht erkennbar vor aller Augen steht, und die nach dem Willen ihres Stifters für alle Zeiten so bleiben wird, wie er sie zum Heil aller Menschen begründet hat. […]“



