Die Hauptaufgabe der Kirche ist Evangelisierung, nicht Dialog

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Am 22. Juni veröffentlichte das katholische Portal „Ad Vaticanum“ ein Interview mit dem indischen „Kardinal“ George Jacob Koovakad, dem Präfekten des „Dikasteriums für den interreligiösen Dialog“. Thema waren der „interreligiöse Dialog“ und der jüngste Besuch von Prevost in der Großen Moschee von Algier. Ich denke, dass es hilfreich sein kann, seine Äußerungen zu betrachten und sie mit dem zu vergleichen, was die Kirche seit jeher lehrt, um zu verstehen, was an der heutigen Situation falsch ist.

Das Interview beginnt wie folgt:

„AV: Können interreligiöser Dialog und Evangelisierung spannungsfrei nebeneinander bestehen, oder besteht ein inhärenter Konflikt zwischen ihnen?

+JK: Das Dokument ‚Dialog und Verkündigung‘ argumentiert, dass interreligiöser Dialog und Evangelisierung nebeneinander bestehen können, da beide wesentliche Dimensionen des Evangelisierungsauftrags der Kirche sind. Es heißt dort ausdrücklich, dass Dialog und Evangelisierung ‚miteinander verbunden, aber nicht austauschbar‘ sind (§77). Der Dialog ersetzt nicht die Verkündigung, und die Verkündigung muss im Geist des Dialogs erfolgen.“

Das Dokument, auf das sich Koovakad bezieht, wurde 1991 vom „Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog“ herausgegeben und unterscheidet zwischen „Dialog“ und „Evangelisierung“. Meine Frage lautet: Koovakad kann natürlich keine Quellen aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil anführen, die behaupten, die Kirche habe die Pflicht zum „Dialog“. Die Pflicht der Kirche besteht darin, alle Völker zu evangelisieren.

In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie im Jahr 2012 räumte „Benedikt XVI.“ ein: „Der Dialog zielt nicht auf Bekehrung, sondern auf Verstehen.“ Unmittelbar danach versucht er, diese Aussage abzuschwächen: „Dadurch unterscheidet er sich von der Evangelisierung, von der Mission.“ Dennoch ist klar, dass das Ziel der wahren katholischen Kirche stets darin besteht, andere zu Christus zu bekehren.

„Die Kirche erkennt daher das Vorhandensein von ‚Samen des Wortes‘ in anderen Religionen an (§ 82), bekräftigt aber gleichzeitig die Einzigartigkeit Christi als Herrn und Erlöser.“ Und später sagt er: „Eine ‚positive Bewertung‘ anderer religiöser Traditionen beinhaltet, in ihnen ‚Strahlen der Wahrheit‘, ‚Samen des Wortes‘ und das Wirken des Heiligen Geistes anzuerkennen.“

„Johannes Paul II.“ erläuterte während seiner Generalaudienz am 9. September 1998, was er unter den angeblich in anderen Religionen vorhandenen „Samen“ verstand:

„Die ‚Samen der Wahrheit‘, die in den verschiedenen religiösen Traditionen vorhanden und wirksam sind, spiegeln das einzigartige Wort Gottes wider, das ‚welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt‘ (vgl. Joh 1,9) und das in Christus Jesus Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1,14). […] In Anbetracht dieser Lehre wird die Feier des Jubiläumsjahres 2000 ‚eine große Gelegenheit für den interreligiösen Dialog bieten, insbesondere angesichts der Ereignisse der letzten Jahrzehnte‘ (Tertio millennio adveniente, Nr. 53). Schon jetzt, in diesem pneumatologischen Jahr, ist es angebracht, innezuhalten und darüber nachzudenken, in welchem Sinne und auf welche Weise der Heilige Geist in der religiösen Suche der Menschheit und in den verschiedenen Erfahrungen und Traditionen, die diese zum Ausdruck bringen, gegenwärtig ist.“

Anschließend stellte er die blasphemische Behauptung auf, die Gründer der falschen Religionen seien vom Heiligen Geist inspiriert worden: „Die verschiedenen Religionen sind gerade aus dieser ursprünglichen Offenheit des Menschen gegenüber Gott entstanden. An ihren Anfängen finden wir oft Gründer, die mit Hilfe des Geistes Gottes zu einer tieferen religiösen Erfahrung gelangten. Diese Erfahrung wurde an andere weitergegeben und nahm Gestalt an in den Lehren, Riten und Geboten der verschiedenen Religionen.“

Als Katholik kann man sagen, dass andere Religionen einige Wahrheiten enthalten: entweder Wahrheiten des Naturrechts, die mit der Vernunft erkannt werden können, oder – wie bei den Protestanten und Orthodoxen – Wahrheiten aus der göttlichen Offenbarung. Diese Wahrheiten sind jedoch mit sehr, sehr vielen Unwahrheiten vermischt.

In dem Interview erwähnt Koovakad zweimal das Wort „Proselytismus“.

„Die Verkündigung kann manchmal als respektlos oder als versteckter Proselytismus wahrgenommen werden, während eine übermäßige Betonung des Dialogs den Aufruf zur Verkündigung der Frohen Botschaft schwächen kann.“ Und: „Der Dialog ist untrennbar mit der Achtung der Gewissensfreiheit verbunden. Daher darf ein sinnvoller Dialog weder Zwang noch Manipulation noch Proselytismus beinhalten.“

„Franziskus“ verurteilte „Proselytismus“ immer wieder. Aber was ist „Proselytismus“? Werfen wir einen Blick auf die Definition des Wortes „Proselytismus“ (oder seiner Verbform „proselytisieren“) in einem Wörterbuch. In diesem verwende ich ein Englischwörterbuch, da das Interview auf Englisch geführt wurde. Hier ist die Definition von „proselytise“ im Cambridge English Dictionary: „versuchen, jemanden davon zu überzeugen, seine religiösen oder politischen Überzeugungen oder seine Lebensweise an die eigenen anzupassen“. Genau das ist Evangelisierung. Andere Wörterbücher liefern ähnliche Definitionen. Nun ist es zwar richtig, dass das Wort „Proselytismus“ etwas abwertend ist, aber es ist zutreffend.

„Franziskus“ bestätigte diese Bedeutung, als er einer 15-Jährigen in Schweden – als sie fragte, wie sie mit ihren Freunden umgehen solle, die nicht in die Kirche gehen – so antwortete: „Du musst als Christin leben, wie eine Christin: überzeugt, vergebend und auf einem Weg. Es ist nicht zulässig, sie von deinem Glauben zu überzeugen; Proselytismus ist das stärkste Gift gegen den ökumenischen Weg.“ Und 2019 sagte er zu einer Gruppe von Studenten: „Bei einem Ungläubigen ist das Letzte, was ich tun muss, zu versuchen, ihn zu überzeugen. Niemals. Das Letzte, was ich tun muss, ist zu reden. Ich muss im Einklang mit meinem Glauben leben. Und es wird mein Zeugnis sein, das die Neugier des anderen weckt, der sagt: ‚Aber warum tust du das?‘ Und genau dann kann ich reden. Aber hört zu: Verbreitet das Evangelium niemals, niemals durch Proselytismus. Wenn jemand sagt, er sei ein Jünger Jesu, und mit Proselytismus auf euch zukommt, dann ist er kein Jünger Jesu. Wir sollten nicht proselytisieren; die Kirche wächst nicht durch proselytisieren.“ (Link)

Mit anderen Worten: „Franziskus“, Koovakad und Menschen wie er lehnen den Auftrag Jesu ab: „Gehet also hin, und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes; und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“ (Mt 28,19–20)

„Die Kirche ist offen für den Dialog mit allen Menschen, ausgehend von ihrer Überzeugung, dass jeder Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und Gegenstand von Gottes Heilssorge bleibt. Der interreligiöse Dialog ist nicht bloße Diplomatie oder pragmatisches Zusammenleben, sondern Teil des Evangelisierungs- und Heilsauftrags der Kirche. Daher darf Dialog nicht moralischen Relativismus, Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit oder die Verwässerung von Wahrheitsansprüchen bedeuten. Gleichzeitig darf moralische Klarheit nicht zu Feindseligkeit, Ausgrenzung oder einer Verweigerung der Begegnung führen.“

Was die Missionare während zwei Jahrtausende getan haben, war, der Welt das Evangelium und die einzig wahre Religion zu bringen, und nicht „dialogisieren“. Papst Gregor XVI. schrieb in seiner Enzyklika Probe Nostis (1840) über Missionare: „Sie sind von einer brennenden Liebe beseelt und lassen sich weder von beschwerlichen Wegen noch von schwerer Mühe abschrecken. Sie suchen jene auf, die in der Finsternis und im Schatten des Todes sitzen, um sie zum Licht und zum Leben der katholischen Religion zu rufen. So dringen sie furchtlos angesichts jeder Gefahr mutig in die Wälder und Höhlen der Wilden vor, beruhigen sie nach und nach durch christliche Güte und bereiten sie auf den wahren Glauben und die wahre Tugend vor. Schließlich entreißen sie sie durch das Bad der Wiedergeburt der Herrschaft des Teufels und führen sie in die Freiheit der adoptierten Söhne Gottes.“

Gregor XVI. behauptete nicht, dass die falschen Religionen irgendwie „gut“ seien. Falsche Religionen sind Finsternis für die Menschen, die in ihnen gefangen sind.

Nachdem er ihn nach dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill gefragt hat, wechselt der Interviewer zum Thema von Prevosts Besuch in der Großen Moschee in Algier. Koovakad entgegnete der Kritik von Katholiken:

„Theologisch gesehen wird es, wenn ein Papst nichtchristliche Stätten betritt und dort betet, nicht als Akt des religiösen Relativismus oder Synkretismus verstanden, sondern als Geste des Respekts, des Dialogs, des Friedens und der gemeinsamen menschlichen Solidarität. […] Wenn ein Papst eine Moschee, eine Synagoge, einen Tempel oder einen anderen nichtchristlichen sakralen Ort besucht, sollten solche Gesten in erster Linie als Ausdruck von Offenheit, gegenseitigem Respekt und dem Engagement der Kirche für den interreligiösen Dialog interpretiert werden.“

Natürlich ist es religiöser Relativismus, im Gotteshaus einer falschen Religion zu beten. Die gesamte Handlung vermittelt die Botschaft: „Eure Religion ist gut genug“.

Als „Leo XIV.“ die Moschee besuchte, verkündete er mit keinem einzigen Wort Jesus Christus und seine Kirche. Stattdessen sagte er: „Ich danke Ihnen für diese Gedanken und diese Worte, die bei diesem Besuch von so großer Bedeutung sind – an einem Ort, der ein Raum Gottes ist, ein göttlicher, heiliger Raum, an den so viele Menschen kommen, um zu beten und Gott, dem Allerhöchsten, in ihrem Leben zu begegnen.“

Indem er die Moschee als „göttlichen, heiligen Raum“ bezeichnete, bestärkte er die Muslime in ihren Irrtümern.

„Papst Johannes Paul II. erklärte nach dem Treffen in Assisi, dass Gläubige verschiedener Religionen zwar im strengen Sinne normalerweise nicht ‚gemeinsam beten‘ können, aber dennoch anwesend sein können, während andere beten, und so ihre Ehrfurcht vor der aufrichtigen Suche der anderen nach Gott zum Ausdruck bringen.“

Im Jahr 1986 organisierte „Johannes Paul II.“ ein Treffen in Assisi, Italien, zu dem er orthodoxe Bischöfe, Muslime, buddhistische Mönche und Vertreter anderer Religionen einlud, um „für den Frieden zu beten“. Es stimmt zwar, dass er nicht gemeinsam mit ihnen betete, aber er organisierte die Veranstaltung und stand dort mit den anderen Vertretern zusammen, wodurch der Eindruck entstand, der Papst sei nur einer von vielen religiösen Führern. In „Redemptoris Missio“, Absatz 29, schrieb er: „Die Begegnung zwischen den Religionen in Assisi wollte unmißverständlich meine Überzeugung bekräftigen, daß »jedes authentische Gebet vom Heiligen Geist geweckt ist, der auf geheimnisvolle Weise im Herzen jedes Menschen gegenwärtig ist«.“

„Daher sollten Katholiken die Gesten des Papstes in nichtchristlichen Räumen als symbolische Akte der Begegnung und des Dialogs verstehen, nicht als Leugnung der Einzigartigkeit Christi oder als gleichwertige Anerkennung aller religiösen Überzeugungen.“

Pius XI. Hat bereits 1928 gewarnt: „Ganz ähnlich wollen nun einige auch auf dem Gebiete vorgehen, das der von Christus dem Herrn festgelegten Ordnung des Neuen Bundes unterliegt. Durch die Erkenntnis der Tatsache, daß es nur sehr wenige Menschen gibt, denen jeder religiöse Sinn abgeht, glauben sie sich zu der Hoffnung berechtigt, es werde sich bei aller Verschiedenheit der Völker bezüglich der religiösen Ansichten doch ohne Schwierigkeit eine brüderliche Übereinstimmung im Bekenntnis gewisser Wahrheiten als gemeinsamer Grundlage des religiösen Lebens erreichen lassen. Zu diesem Zwecke halten sie vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Konferenzen, Versammlungen und Vorträge, zu denen sie alle ohne jeden Unterschied zur Aussprache einladen: Heiden jeder Art und Christen, und endlich auch jene, die unseligerweise von Christus abgefallen sind oder die seine göttliche Natur und seine göttliche Sendung erbittert und hartnäckig bekämpfen.

Derartige Versuche können von den Katholiken in keiner Weise gebilligt werden. Sie gehen ja von der falschen Meinung jener aus, die da glauben, alle Religionen seien gleich gut und lobenswert, weil alle, wenn auch in verschiedenen Formen, doch gleichermaßen dem uns angeborenen und natürlichen Sinn Ausdruck geben, durch den wir nach Gott verlangen und uns seiner Oberherrschaft gehorsam unterwerfen. Die Vertreter solcher Ansichten sind nun nicht nur in Irrtum und Selbsttäuschung befangen, sondern sie lehnen auch die wahre Religion ab, indem sie ihren Begriff verfälschen. Auf diese Weise kommen sie Schritt für Schritt zum Naturalismus und Atheismus.“