
In 2018 haben verschiedene katholische Persönlichkeiten und Organisationen ein „Manifest“ zum Thema Neuevangelisierung veröffentlicht. Das Manifest trägt den Titel „Mission Manifest – 10 Thesen für das Comeback der Kirche“.
Die Hauptinitiatoren waren der Theologe Bernhard Meuser, der bekannte österreichische Zisterzienserpater Karl Wallner und der Theologe Johannes Hartl.
In diesem Artikel analysiere ich das Manifest aus der katholischen Perspektive.
Die Präambel
Das Manifest fängt mit einer Präambel an, was die aktuelle Lage der Kirche in den deutschsprachigen Ländern beschreibt.
„Nach menschlichem Ermessen wird die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz in wenigen Jahren kaum mehr eine gesellschaftlich wahrnehmbare Rolle spielen.“
Es geht um das ewige Seelenheil der Menschen. Papst Gregor XVI. hat schon 1832 gewarnt: „Nun kommen Wir zu einem weiteren überreichlichen Quell von Übeln, unter denen leider die Kirche heute so schwer leidet. Wir meinen die Gleichgültigkeit, den Indifferentismus, jene verkehrte Ansicht, welche die Schlauheit der Bösen überallhin verbreitet hat, man könne durch jedes beliebige Glaubensbekenntnis das ewige Heil erlangen, wenn nur das sittliche Leben nach der Regel des Rechten und Anständigen ausgerichtet werde. Doch werdet Ihr mit Leichtigkeit in einer so klaren und eindeutigen Sache diesen äußerst verderblichen Irrtum von den Völkern fernhalten, die Eurer Sorge anvertraut sind. Der Apostel (Vgl. Ephes. IV 5) lehrt ja, es gebe nur einen Gott, einen Glauben, eine Taufe.“ (Mirari vos 13)
„Wir sind katholische Christen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die unter der »Erosion des Glaubens«, von der Papst Franziskus spricht, leiden.“
„Papst Franziskus“ (Jorge Bergoglio) hat wahrscheinlich noch mehr zur Erosion des Glaubens beigetragen, als die anderen „Päpste“ des II. Vatikanischen Konzils vor ihm. Wie viele Leute haben sich denn vom Glauben abgewendet, weil sie den Pachamama-Götzendienst oder die Homo-Segnung des Dokumentes Fiducia Supplicans nicht akzeptieren konnten?
„Wir wissen: Unsere Heimatländer sind Missionsländer geworden.“
Sie sind seit den 60ern Missionsländer. Rein zufällig ist in den 60ern etwas großes in der katholischen Kirche passiert…
„Wir sind bereit für Mission. Wir wünschen, dass unsere Länder zu Jesus finden. Wir laden alle ein, die sich verbindlich mit uns hineinbegeben wollen in eine Welle des Gebets. Wir möchten diejenigen zusammenführen, die den Mut zu ungewöhnlichen Schritten haben.“
In dieser Situation, in der sich die Kirche sich befindet, sind „ungewöhnliche Schritte“ das einzige, was funktioniert. Nämlich, den Glauben unabhängig von den angeblichen Bischöfen und dem „Papst“ zu verkünden.
„»Das Gebot der Stunde«, sagt auch Papst Franziskus, »ist die pastorale Neuausrichtung, also dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des ›Aufbruchs‹ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet«. (Evangelii Gaudium, 27)“
Das ist diesselber „Papst Franziskus“, der einem 15-jährigem Mädchen in Lund, Schweden gesagt hat: „Listen, the last thing you must do is to “speak.” You have to live as a Christian, like a Christian: convinced, forgiven, and on a path. It is not licit to convince them of your faith; proselytism is the strongest poison against the ecumenical path.“
„Papst Franziskus“ hat die Mission der Kirche, die unser Herr ihr gegeben hat, verworfen. Das war eines der ganz vielen Hinweise darauf, dass er kein Papst gewesen sein konnte.
„Viele Bischöfe sind diesem Aufruf gefolgt und haben ihn sogar noch verstärkt. Unsere Initiative von unten möchte sie unterstützen.“
Nach der Präambel folgen die zehn Thesen.
Thesen 2-5
Die erste und die sechste These sind wirklich problematisch, die anderen acht weniger.
Die Thesen 2, 3, 4 und 5 sind ziemlich gut formuliert. These 2 spricht davon, dass „Mission zur Priorität Nummer eins“ der Kirche werden muss; These 3, dass es der Welt heute an Hoffnung mangelt und dass es heute große Chancen für die Evangelisierung bietet; These 4, dass man alle Menschen erreichen muss; These 5, dass man die Mission mit Fasten und Gebet begleiten sollte.
These 6
Die sechste These ist extrem problematisch.
„Wir danken allen Christen außerhalb der katholischen Kirche, die heute schon mit Hingabe missionieren, taufen und Menschen zu Jesus führen. Wir Christen in der katholischen Kirche sehen ihre Treue zur Heiligen Schrift und ihre entschiedene Nähe zu Jesus.“
Es genügt hier, nur ein Beispiel für die „Treue zur Heiligen Schrift“, das die protestantischen „Kirchen“ haben, zu nennen. Jesus spricht in den Evangelien völlig eindeutig davon, dass das Brot zu seinem Leib wird und das Wein zu seinem Blut.
„Ich bin das lebendige Brot, der ich vom Himmel herabgekommen bin. Wenn jemand von diesem Brote isst, so wird er leben in Ewigkeit; und das Brot, welches ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten die Juden untereinander, und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben! Wer mein Fleisch isst, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ (Johannes 6,51-56)
Stattdessen glauben die meisten Protestanten, dass das nur symbolisch gemeint sei.
„Wir haben Wertschätzung für die positiven Impulse der Reformation.“
Jedes Kommentar erübrigt sich für so eine Aussage.
„Wir wollen demütig lernen – auch und gerade von den Freikirchen – und mit allen unseren Geschwistern in der Ökumene kooperieren, um selbst missionarischer zu werden.“
Die katholische Kirche ist eine sog. „perfekte Gesellschaft“. Damit ist gemeint, dass die Kirche alles, was sie braucht, um ihre Mission zu erfüllen, bereits in sich trägt und auf keine Lehren von außen angewiesen ist. Papst Leo XIII. erklärt es in seiner Enzyklika „Immortale Dei“ so: Die Kirche „is a society chartered as of right divine, perfect in its nature and in its title, to possess in itself and by itself, through the will and loving kindness of its Founder, all needful provision for its maintenance and action.“
Der Grund wieso die „Freikirchen“ in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich waren, ist, dass die allermeisten Priester und Bischöfe ihren Job nicht mehr machen. Ich glaube, das deutet darauf hin, dass wir in der „großen Apostasie“ leben, was der Hl. Apostel Paulus in seinem Zweiten Brief an die Thessalonicher gemeint vorhergesagt hat (2,3).
„Wir wissen, dass die Welt nur zu Christus findet, wenn wir die Einheit wiederfinden und sie in Gebet und Mission schon heute einüben (vgl. Joh 17,21).“
Wenn man einen präkonziliaren Katechismus aufschlägt, wie der Katechismus des heiligen Pius X., wird einem logisch und einfach erklärt was „Einheit“ bedeutet:
„[Der neunte Artikel des Glaubensbekenntnisses] 14 F. Warum wird die Kirche als ‚eine‘ Kirche bezeichnet?
A. Die wahre Kirche wird als ‚eine‘ Kirche bezeichnet, weil ihre Kinder aller Altersgruppen und Orte im selben Glauben, im selben Gottesdienst, im selben Gesetz und in der Teilnahme an denselben Sakramenten unter demselben sichtbaren Oberhaupt, dem römischen Papst, vereint sind.”
Es würde den Rahmen des Artikels sprengen, das hier ausführlich zu diskutieren, aber es ist wichtig zu erwähnen, dass das „hohepriesterliche Gebet“ Jesu in Johannesevangelium Kapitel 17 („damit alle eins seien“), nicht das bedeutet was die Autoren hier andeuten.
Die katholische Interpretation dieser Passage besagt, dass die Kirche Christi, die katholische Kirche, bereits Einheit besitzt. Wir beten im Credo: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“.
Das Problem ist, dass die Protestanten sich von der Einheit abgespalten haben.
Papst Pius XI. Hat es in „Mortalium animos“ gut auf den Punkt gebracht: „Weil also die Liebe nur auf der Grundlage eines reinen und unverfälschten Glaubens aufbauen kann, müssen die Jünger Christi durch die Einheit des Glaubens als dem vorzüglichsten Band miteinander verbunden werden.“ Und: „Zum Apostolischen Stuhle also, der in dieser Stadt aufgerichtet ist, welche die Apostelfürsten Petrus und Paulus mit ihrem Blute geweiht haben, zu diesem Sitze, der ‚die Wurzel und der Mutterschoß der katholischen Kirche’ ist, mögen die getrennten Söhne kommen, nicht in der Absicht und Hoffnung, die Kirche des lebendigen Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit, werde die Reinheit ihres Glaubens aufgeben und Irrtümer dulden und zulassen, sondern im Gegenteil, um sich
ihrem Lehramt und ihrer Führung zu überlassen.“
These 7
„Wir müssen die Inhalte des Glaubens neu entdecken und sie klar und mutig verkündigen, sei es nun »gelegen oder ungelegen« (2 Tim 4,2). Wir haben sie durch Gottes Offenbarung empfangen, finden sie gefasst im Urdokument der Heiligen Schrift und lebendig überliefert im Verstehen der Kirche, wie es der Katechismus lehrt.“
„Die Geheimnisse des Glaubens müssen vollständig, ganzheitlich, in rationaler Klarheit und in der Freude der Erlösten verkündigt werden. Sie müssen leuchten.“
Also zum Beispiel auch die Lehre, dass Jesus Christus König ist über Staaten und Institutionen, (die soziale Königsherrschaft Christi)?
Wie Papst Pius XI in seiner bahnbrechenden Enzyklika Quas Primas (herausgegeben in 1925) gelehrt hat: „Wenn daher die Staatenlenker Unversehrtheit ihrer Autorität sowie Gedeihen und Fortschritt des Vaterlandes bezwecken, so dürfen sie sich nicht weigern, in ihrem persönlichen Namen und mit ihrem ganzen Volke der Herrschermacht Christi ihre Verehrung und Ergebenheit öffentlich zu bezeugen.“
Aus Platzgründen überspringe ich These 8.
These 9
In These 9 steht: „Wir brauchen eine »Demokratisierung« von Mission. Nirgendwo steht, dass die Mission, die Jesus uns gegeben hat, sich auf Spezialisten, professionelle Verkündiger, Theologen, Kleriker oder Mitglieder von Ordensgemeinschaften beschränkt. Missionarisch zu sein ist der Auftrag Christi an alle Getauften.“
In seiner Enzyklika „Mystici corporis“ hat Pius XII. die drei Kriterien der Mitgliedschaft in der Kirche beschrieben: „Den Gliedern der Kirche aber sind in Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen, sich zum wahren Glauben bekennen und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben, noch wegen schwerer Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.“
Und am Ende folgt die letzte These mit ein Paar Formulierungen, denen man zustimmen kann.
„Wir müssen uns selbst zur Freude des Evangeliums bekehren, um andere zu Jesus führen zu können.“
„Wir sollten allerdings damit rechnen, dass der ersehnte Aufbruch im Glauben nicht immer nur eine Erfolgsgeschichte sein wird. Doch im treuen und freudigen Zeugnis für Jesus erstrahlt auch aus Leiden und Widerständen eine Schönheit, die früher oder später fruchtbar wird.“

Die Kathedrale von Fulda.


