Der folgende Text stammt aus dem Religionslehrbuch „Catholic Morality“ des amerikanischen Priesters John Laux, Seiten 82–92. Das Buch erschien erstmals 1928 und wurde in den 1990er Jahren sowie später erneut herausgegeben.

a) VEREHRUNG DER HEILIGEN
1. Es ist recht, die Heiligen zu verehren.
a) Wir ehren tugendhafte Menschen auf Erden; warum sollten wir den Heiligen im Himmel, die die Tugend in so erhabener Weise gelebt haben, diese Ehre verweigern?
b) Indem wir die Heiligen verehren, verehren wir Gott selbst; denn was die Heiligen sind und haben, verdanken sie Gott.
c) Gott selbst ehrt die Heiligen mehr, als wir sie jemals ehren können. „[W]o ich bin“, sagt unser Herr, „da wird auch mein Diener sein. Wenn jemand mir dienet, wird ihn mein Vater ehren.“ (Joh 12,26).
d) Seit den ersten Jahrhunderten wurden die Engel und Heiligen von der Kirche verehrt.
In einem Brief über das Martyrium des heiligen Polykarp (167 n. Chr.) erklärte die Kirche von Smyrna: „Wir verehren den Sohn Gottes, aber wir ehren seine Märtyrer als Jünger und Nachfolger unseres Herrn wegen ihrer außerordentlichen Liebe zu ihrem König und Meister.“
In seiner Ersten Apologie schreibt der heilige Justinus der Märtyrer: „Wir ehren Gott den Vater und den Sohn und die Schar der seligen Geister.“ Seit urzeitlichen Zeiten hat die Kirche Feste eingeführt und Kirchen und Altäre zum Gedenken an die Heiligen errichtet.
2. Es ist für das Heil nützlich, die Heiligen zu verehren, denn diese Praxis regt uns dazu an, ihrem Beispiel zu folgen und danach zu streben, ihnen ähnlich zu werden, damit auch wir eines Tages an ihrer ewigen Glückseligkeit teilhaben können.
3. Wir dürfen die Ehrerbietung, die wir den Heiligen erweisen, niemals mit der göttlichen Ehrerbietung verwechseln, die wir allein Gott entgegenbringen.
a) Wir ehren und verehren allein Gott als unseren souveränen Herrn und den Urheber aller guten Dinge; die Heiligen ehren wir nur als seine treuen Diener und Freunde.
b) Wir knien zwar nieder, wenn wir die Heiligen verehren; doch wir verehren die Heiligen nicht mehr, als ein Höfling seinen König verehrt, wenn er auf den Knien um eine Gunst bittet.
c) Wir weihen Kirchen und Altäre und bringen das Heilige Opfer allein Gott dar, obwohl wir zugleich das Andenken der Heiligen ehren und um ihre Fürsprache bitten.
d) Wir ehren Gott um seiner selbst willen, wegen der unendlichen Vollkommenheit, die er an sich hat; wir ehren die Heiligen wegen der Gaben und Vorzüge, die sie von ihm empfangen haben.
b) DIE ANRUFUNG DER HEILIGEN
Die Anrufung der Heiligen ist nützlich und heilsam.—
a) Wir bitten oft unsere irdischen Freunde, für uns zu beten, und wir haben in der Heiligen Schrift reichlich Rechtfertigung dafür. Der heilige Paulus schreibt: „Ich bitte euch also, Brüder! bei unserm Herrn Jesus Christus und bei der Liebe des Heiligen Geistes,
dass ihr mir helfet mit eurem Gebete für mich zu Gott […]“ (Röm 15,30). Aber wenn es eine christliche Pflicht ist, einen Freund auf Erden zu bitten, für uns zu beten, warum sollten wir dann nicht denselben Freund, wenn er die Erde verlassen hat, bitten, im Himmel für uns zu beten? Der Tod löst die Verbindung zwischen uns nicht auf.
b) Die Heilige Schrift lehrt uns, dass die Engel und Heiligen im Himmel wissen, was hier mit uns geschieht, und für uns beten. „Ebenso, sage ich euch, wird Freude bei den Engeln Gottes sein“, sagt unser Herr, „über einen einzigen Sünder, welcher Buße tut“ (Lk 15,10). Der Prophet Jeremia betete noch lange nach seinem Tod „viel für das Volk und die ganze Heilige Stadt“ (2Makk 15,14). „Als du mit Tränen betetest […] habe ich dein Gebet dem Herrn dargebracht“, sagte der Engel Raphael zu Tobit ([Tob] 12,12).
c) Gott gewährt uns Gnaden und Gunstbezeugungen durch die Fürsprache der Heiligen, denn es ist Sein Wille, dass wir unsere eigene Unwürdigkeit und die Verdienste Seiner treuen Diener anerkennen. Darum hat Er selbst in früheren Zeiten den Freunden Hiobs geboten und gesagt: „gehet zu meinem Diener Job […]; Job aber, mein Diener, soll für euch Fürbitte tun,“ (Ijob 42,8).
d) Seit jeher war es in der Kirche üblich, die Heiligen anzurufen. In den römischen Katakomben, insbesondere auf den Gräbern der Märtyrer, finden wir Inschriften, die die Verstorbenen bitten, ihrer Freunde auf Erden zu gedenken. Eine davon lautet wie folgt: „Bitte für uns in deinen Gebeten, denn wir wissen, dass du bei Christus bist.“
Der heilige Augustinus sagt, dass wir in der Messe zwar anderer verstorbener Seelen gedenken, um für sie zu beten, aber die Märtyrer anrufen, damit sie für uns beten.
Es ist kein Zeichen des Misstrauens gegenüber Jesus Christus, wenn wir uns an die Heiligen wenden, denn wir erwarten alle Gnade und das Heil allein von Gott durch die Verdienste Jesu Christi. „Denn einer ist Gott, einer auch ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, welcher sich selbst als Lösegeld hingegeben hat für alle“ (1Tim 2,5[-6]). Wäre die Anrufung der Heiligen ein Zeichen des Misstrauens, hätte der heilige Paulus die Gläubigen nicht gebeten, für ihn zu beten (Röm 15,30); noch hätte der heilige Jakobus geschrieben: „ Bekennet denn einander eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr das Heil erlanget; denn viel vermag das beharrliche Gebet der Gerechten.“ (5,16).
e) Der Unterschied zwischen unserem Gebet zu Gott und unserem Gebet zu den Heiligen wird in allen Litaneien deutlich hervorgehoben. Wir sagen: Gott, Vater im Himmel, erbarme dich unser; aber: Heilige Maria, bitte für uns.
„Erkennen wir also“, sagt Kardinal Manning, „dass wir in diesem Leben niemals einsam oder verlassen sein können. Sollen sie uns vergessen, weil sie ‚vollkommen gemacht‘ wurden? Sollen sie uns weniger lieben, weil sie nun die Kraft haben, uns mehr zu lieben? Wenn wir sie nicht vergessen, werden sie sich dann nicht bei Gott an uns erinnern? Keine Prüfung kann uns also isolieren, kein Leid kann uns von der Gemeinschaft der Heiligen abschneiden. Kniet nieder, und ihr seid bei ihnen; erhebt eure Augen, und die himmlische Welt, hoch über aller Unruhe, hängt ruhig über euch; nur ein dünner Schleier schwebt vielleicht dazwischen. Alle, die wir geliebt haben, und alle, die uns geliebt haben, sind immer nahe, denn sie sind immer in Seiner Gegenwart, in dem wir leben und wohnen.“
C) BESONDERE VEREHRUNG DER GOTTESMUTTER
Der Gottesmutter gebührt eine höhere Verehrung als allen Engeln und Heiligen. —
a) Christus hat sie in besonderer Weise geehrt.
b) Der Erzengel Gabriel begrüßte sie mit den Worten: „Gegrüßt seist du,51 voll der Gnaden, der Herr ist mit dir“.
c) Die heilige Elisabeth rief voller Ehrfurcht und Verehrung aus: „ Und woher geschieht mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“
d) Marias prophetische Worte: „[V]on nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“, haben sich im Laufe der Kirchengeschichte unaufhörlich erfüllt.
e) Maria allein unter ihrem ganzen Geschlecht [der Menschheit] hatte das Privileg, aus freiem Willen und eigener Entscheidung am Erlösungswerk mitzuwirken: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, nach deinem Worte!“
f) Christus war seiner Mutter hier auf Erden gehorsam, und Er wird ihr sicherlich nichts abschlagen, nun da sie bei Ihm im Himmel ist.
[…]
d) DIE VEREHRUNG VON BILDERN
1. Wir verehren Bilder von Christus und den Heiligen:
a) weil wir durch die Verehrung dieser Bilder Christus selbst und Seine Heiligen verehren;
b) weil die Betrachtung dieser Bilder uns dazu bewegt, Christus und die Heiligen zu lieben und ihnen nachzueifern.
2. Das Konzil von Trient (Sitzung 25) gibt klare und eindeutige Anweisungen zur Frage der Verehrung von Bildern:
„ Die Bilder Christi und der jungfräulichen Mutter Gottes sowie der Heiligen sollen vor allem in Kirchen aufbewahrt werden, und ihnen soll gebührende Ehre und Verehrung zuteilwerden; nicht etwa, weil man glaubt, dass in ihnen irgendeine Gottheit oder Tugend wohne, um derentwillen sie angebetet werden müssten, oder dass man sie um etwas bitten dürfe, oder dass man auf Bilder vertrauen solle, wie es einst die Heiden taten, die ihre Hoffnung auf Götzen setzten; sondern weil die Ehre, die ihnen erwiesen wird, sich auf die Vorbilder bezieht, die diese Bilder darstellen; so dass wir durch die Bilder, die wir küssen, vor denen wir das Haupt entblößen oder das Knie beugen, Christus anbeten und die Heiligen verehren, die sie darstellen. Sollten sich unter diesen heiligen und heilsamen Bräuchen Missbräuche eingeschlichen haben, so wünscht das Heilige Konzil inständig, dass diese gänzlich abgeschafft werden.“
Aus dieser Aussage folgt, dass die Kirche den Bildern eine untergeordnete und relative Ehre erweist, soweit sie sich auf Christus und die Heiligen beziehen und an sie erinnern. Wir dürfen nicht zu Bildern beten, denn sie können weder sehen noch hören noch uns helfen. Mit anderen Worten: Das Beten zu einem Bild oder einer Statue ist kategorisch verboten. Es sollte auch bedacht werden, dass die Kirche ihre Kinder nicht zwingt, vor irgendeinem Bild oder einer Statue niederzuknien oder zu beten.
3. Man könnte jedoch einwenden: Steht die Verehrung von Bildern nicht im Widerspruch zur Heiligen Schrift? – Lesen wir nicht in Exodus 20,4–5: „Du sollst dir kein Bild machen … Du sollst sie nicht anbeten, noch verehren“? Die hinzugefügte Einschränkung zeigt, in welchem Sinne das Anfertigen oder Besitzen von Bildern verboten war, nämlich sie anzubeten und ihnen zu dienen. Gott selbst befahl Mose, „zwei goldene Cherubim in getriebener Arbeit, zu beiden Enden des Spruchortes“ zu machen (Ex 25,18), und auch eine eherne Schlange zu machen und sie als Zeichen aufzustellen, was ein Bild unseres gekreuzigten Erlösers war (Joh 3,14).
4. Wir sprechen von Kreuzverehrung; ist das ein angemessener Ausdruck?
Wenn wir von der Verehrung des Kreuzes sprechen, verstehen wir darunter nicht die absolute Verehrung, die der Gottheit gebührt, sondern nur die relative Verehrung, die sich auf Christus richtet: Wir verehren Christus selbst, wie er in seinem Bild dargestellt ist. Wenn wir den Kreuzweg beten, knien wir vor jedem der vierzehn Kreuze nieder und sagen: „Wir beten dich an, o Christus, und wir preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“
5. Gott hat es, wie die Katholiken aus gutem Grund glauben, gelegentlich für gut befunden, Bilder Christi und der Heiligen zu verherrlichen und denen, die diese Bilder verehren, besondere Gnaden zu gewähren. Da wir uns dazu angeregt fühlen, vor diesen Bildern mit größerer Inbrunst und Zuversicht zu beten, begeben wir uns manchmal auf Wallfahrten zu diesen sogenannten Gnadenbildern. Kein Katholik ist dazu verpflichtet, noch ist er verpflichtet zu glauben, dass diese Bilder Gnadenbilder sind.

e) DIE VEREHRUNG VON RELIQUIEN
Zu den Reliquien gehören die Leichname verstorbener Heiliger, Teile ihrer Leichname, Gegenstände oder Teile von Gegenständen, die sie benutzt haben, wie Kleidung, Gewänder, Rosenkränze und dergleichen. Die berühmteste aller Reliquien ist das Wahre Kreuz.
1. Die Verehrung der Reliquien wurde vom Konzil von Trient feierlich gebilligt, und der Grund für diese Billigung wurde wie folgt angegeben: „Die heiligen Leichname der Märtyrer und anderer, die nun bei Christus leben – Leichname, die einst lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes waren und die durch Ihn zum ewigen Leben auferweckt und verherrlicht werden sollen –, sollen von den Gläubigen verehrt werden“ (Sess. 25).
2. Die Verehrung der Reliquien der Märtyrer ist so alt wie das Christentum selbst und sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Kirche verbreitet.
Die Christen sammelten die Gebeine des heiligen Ignatius von Antiochia (gest. 107) und legten sie in Leinentücher, „als einen unschätzbaren Schatz, der der Heiligen Kirche durch die Gnade des Märtyrers hinterlassen wurde“.
Als der Leichnam des heiligen Polykarp im Jahr 167 verbrannt wurde, sammelten die Christen die Knochen, die sie finden konnten, „als kostbarer als Edelsteine und wertvoller als Gold, und legten sie an einem geeigneten Ort nieder“.
Gott gefällt es manchmal, die Reliquien der Heiligen zu ehren, indem er sie zu Werkzeugen der Heilung und anderer Wunder macht und auch denen geistliche Gnaden schenkt, die sie mit reinem Herzen bewahren und verehren. Im Alten Testament lesen wir von der Auferweckung eines Leichnams, der die Gebeine des Propheten Elisa berührt hatte (2 Könige 13,21), und in der Apostelgeschichte wird berichtet, dass Kranke durch Tücher geheilt wurden, die den lebendigen Leib des heiligen Paulus berührt hatten.
3. In allen Zeitaltern kam es zu Missbräuchen im Zusammenhang mit Reliquien. Das Vierte Laterankonzil (1215) verbot den Verkauf von Reliquien sowie deren Ausstellung außerhalb ihrer Reliquienkästen oder Schreine und untersagte die Verehrung neuer Reliquien, bis deren Echtheit vom Papst bestätigt worden war.
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