Der folgende Aufsatz stammt aus der April-Ausgabe 1938 der ungarischen katholischen Zeitschrift „Örökimádás“ („Ewige Anbetung“) und wurde von János Eőri geschrieben. „Örökimádás“ lief von 1900 bis 1944, und die Ausgaben können im PDF-Format von der Seite der Elektronischen Bibliothek Péter Pázmány heruntergeladen werden.
Das ewige Wort, die unermessliche Liebe Gottes, wanderte vom Schoß der Heiligen Dreifaltigkeit in den Schoß der Jungfrau Maria und von dort in die Arme der Heiligen Mutter Kirche: Er sehnte sich nach dem Altar. Und dort kam Er auch an, in Form der Heiligen Kommunion. Wie ein Himmelskörper, der sich aus den schwindelerregenden Weiten des unendlichen Weltraums uns nähert, kam Er in Seiner ganzen Helligkeit und Wärme zu uns, um unser lebensspendende Sonne zu sein, um für immer über uns zu scheinen und sich erst dann zur Dämmerung zu neigen, wenn unsere heutige Welt zusammenbricht, wenn wir dann nach unserem heiligen Vertrauen ganz in dieses glückselige Meer des Lichts und diesen Ozean der Freude der göttlichen Liebe eintauchen können.
Was uns selbst betrifft, so entsprang der Strom der göttlichen Gnade in unserem individuellen Leben für uns im Sakrament der Taufe, als er in Form des Glaubens in unsere Seele einströmte; in der Firmung wurde er zu einem stärkeren Strom, als wir zu selbstbewussten Kämpfern dessen wurden, der uns den Glauben geschenkt hat, und der Güter, die unser Glaube verspricht und auf die wir hoffen. Er kann sich in uns zu einem mächtigen Strom verbreitern durch unsere direkte, ja innige Verbindung mit der Eucharistie, in der unsere Seele bereits mit dem Gefühl der Liebe, dem endgültigen Ziel, verschmolzen ist. So wie das Wasser des Flusses in Richtung Mündung in Breite, Tiefe und Qualität immer mehr den Wassermassen ähnelt, in die es fließen wird, so wird auch der Bach unseres Glaubens, der Fluss unserer Hoffnung immer mehr zu einem Strom der Liebe, der immer ähnlicher wird dem Meer der ewigen Liebe, in das er durch die Eucharistie schon fast hineinzufließen beginnt.
Unser wertvollster Schatz auf Erden: die Quelle und das Mittel der Liebe: die Eucharistie, deren Idee in der Seele unseres lieben Erlösers planmäßig empfangen und gereift ist. Ein Jahr vor Seinem Tod am Kreuz verkündete Er in Kafarnaum der Menschheit, dass Er sie bald mit der ständigen Gegenwart Seines heiligen Leibes und Blutes beschenken werde. „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib für das Leben der Welt.“ (Joh 6,52) Eine ähnliche frohe Botschaft wurde nur der Jungfrau von Nazareth und den Hirten von Bethlehem verkündet. Das Geheimnis der Eucharistie ist dem Geheimnis der Menschwerdung und Geburt des Wortes gleichrangig – sowohl hinsichtlich seiner Entstehung als auch seiner Wirkkraft und Bedeutung… Die auf wundersame Weise bewirtete Menschenmenge erwartet und verlangt von ihm auf neugierige und taktlose Weise Brot, sie wünscht sich eine Wiederholung des Wunders, als wäre der Herr Jesus nur auf die Welt gekommen, um den Hunger der Mägen zu stillen und die nach Wundern hungernde Neugier zu befriedigen. Die seltsame geistige Verfassung und Stimmung Seiner Zuhörer war für den Erlöser eine großartige Gelegenheit, einen Einblick in die tiefsten Tiefen Seines heiligen Herzens zu gewähren und die Aufmerksamkeit der kleinlichen, anspruchslosen, Brot erwartende Menge auf die kostbare Seele und ihre noch kostbarere Nahrung zu lenken. Anstelle eines Wunders verspricht Er das Wunder aller Wunder und stellt es in Aussicht: seinen eigenen Leib in der Gestalt des Brotes, sein eigenes Blut in der Gestalt des Weines zur Speisung der unsterblichen Seele. Er behauptet, erklärt, diskutiert mit Seinen Zuhörern mit göttlicher Geduld und unendlicher Liebe; bekräftigt mit einem Schwur die Realität und Unabänderlichkeit Seiner Entscheidung; Er betrachtet gelassen das Kopfschütteln, die Spottlust und das Weggehen der größeren Gruppe der Kleingläubigen und Zweifler sowie das Zögern Seiner bisher treuen Anhänger. Er lässt seiner überschäumenden Begeisterung freien Lauf [sic]; dass viele den blendenden Glanz dieses nie dagewesenen Lichts nicht ertragen können, hindert Ihn nicht daran. Die Abkehr von ein oder zwei Tausend Menschen wird später durch den Glauben und die Liebe von Hunderttausenden und Millionen reichlich entschädigt. „Denn mein Fleisch ist wahrhaft57 eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank“ – „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben!“, wiederholt Er mit erhabener Ernsthaftigkeit. „Wenn jemand von diesem Brote isst, so wird er leben in Ewigkeit“, fährt Er fort. Es ist mehr als Manna. Auch das war ein wunderbares Brot und eine große Wohltat Gottes, aber es hat niemanden vor dem Tod bewahrt. Das Manna hingegen, das ich euch gebe, schützt euch – nicht vor dem Tod des Körpers, sondern vor dem Tod der Seele. Wer von diesem noch höheren, direkt vom Himmel kommenden Manna isst, der nährt seine Seele mit meinem Leib und sichert sich das ewige Leben, das Himmelreich. (Vgl. Joh. 6.)
Nach knapp einem Jahr wird beim Letzten Abendmahl das große Versprechen Wirklichkeit: Die Eucharistie wird geboren. So wie eine Mutter die Geburt ihres ersten Kindes erwartet, so erwartete er diesen Moment und bereitete sich darauf vor, Sein großes Geschenk zu verkünden. „Sehnlichst hat mich verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu essen, ehedem ich leide.“ (Lk 22,15) Die Zeit war gekommen, dass der Erlöser sein Wort verwirkliche. Und Er verwirklichte es: „Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete und brach es, gab es seinen Jüngern, und sprach: Nehmet hin, und esset, dies ist mein Leib! Und er nahm den Kelch, dankte, und gab ihnen denselben, indem er sprach: Trinket alle daraus; denn dieses ist mein Blut des neuen Testamentes, welches für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26). Mit diesen Worten wurde das Brot zu seinem heiligen Leib und der Wein zu seinem heiligen Blut. Die Eucharistie war geboren! Damit sie jedoch nicht schon in der Stunde ihrer Geburt sterbe, fügte Er wie in einem Testament hinzu: „Dieses tut zu meinem Gedächtnisse!“ (Lukas 22,19) Was ich hier und jetzt getan habe, sollt auch ihr nach meinem Tod tun. Was hier und jetzt auf mein Wort hin geschehen ist, wird auch auf euer Wort hin geschehen. So wie ich jetzt meinen Leib zur Speise für eure Seelen und mein Blut als dazugehörigen Trank gebe, so sollt auch ihr und eure Nachkommen das Brot und den Wein in euren Händen, die durch eure Worte zu meinem Leib und meinem Blut geworden sind, euren Brüdern, allen Gläubigen, reichen. Was ich nun mit diesem Mahl unsere dreijährige Freundschaft besiegelt habe, da wir nun nicht nur im Geiste, sondern auch leibhaftig eins werden, so möge sich jeder mit mir vereinen und eins werden, nicht nur in Gedanken und Gebeten, sondern auch in Wirklichkeit, in diesem heiligen Mahl, das immer zur Hand sein wird und zu dem jeder stets eingeladen sein wird. Dass ich euch als meine Freunde liebe, kann ich euch nicht besser beweisen, als dass ich mich selbst euch gebe – als Speise und Trank. Ihr habt meine vielen großen Wunder gesehen, ihr habt immer meine glühende Liebe genossen, aber sagt mir: Könnte ich euch noch mehr und Größeres geben?! Dass auch ihr mich liebt, zeigt ihr, indem ihr dieses große Geschenk von mir annehmt und euch mit mir vereint, so innig, wie es nur möglich ist. Aber dass ich nicht nur euch liebe, sondern alle, die an mich glauben und mich lieben, beweise ich damit, dass ich bis zum Tag des Jüngsten Gerichts hier auf der Welt unter euch bleibe, derselbe, der jetzt zu euch spricht, der das Land Palästina durchwandert hat, der drei Jahre lang gelehrt hat, meine Wunder gewirkt hat, der jetzt meine Leiden beginne und morgen für das Leben der Welt am Kreuz sterbe. Meine menschliche Gestalt wird aus der Welt verschwinden, aber ich bleibe unter euch unter den Gestalten von Brot und Wein. In meinem Testament hinterlasse ich mich selbst der Welt. Gibt es, braucht es eine größere Liebe als diese?! Wer wirklich an mich glaubt und mich liebt, kann jederzeit und überall zu mir kommen und sich sogar mit mir vereinen. Und es gibt keinen besseren Weg, seinen Glauben, seine Hoffnung und seine Liebe zu mir zu zeigen und zu beweisen, als meinen größten Wunsch, mein sehnlichstes Verlangen, mein liebstes Gebot zu erfüllen und oft und mit Hingabe bei der Wiedergeburt meines heiligen Leibes anwesend zu sein, oft, bereitwillig und liebevoll meinen heiligen Leib zu sich zu nehmen und sich mit mir zu vereinen, oft und andächtig sich mir nähert, mich sucht und vor den Altären bei mir verweilt.
Solche Gedanken und Gefühle blitzten in den Worten unseres Erlösers auf, mit denen er der Menschheit die Eucharistie schenkte: Solche Gedanken und Gefühle erfüllen die Luft des Abendmahlssaals, als die Eucharistie entstand. Sicherlich leisteten auch Engel dort unsichtbar ihren Dienst, während Satan um Judas herumschleichte, um den Widerspruch der Aufständischen von Kafarnaum fortzusetzen und seinem Gefolgsmann Gift in diese süße göttliche Speise und dieses süße göttliche Getränk zu mischen. Der Widerspruch und das Gift können jedoch den Lauf der großen Wirklichkeit nicht mehr aufhalten: Die Eucharistie ist entstanden und hat ihren Weg angetreten. Keine höllische Macht kann der Menschheit diesen Schatz mehr nehmen. Die Heilige Mutter Kirche bewahrt, pflegt, schützt und liebt ihn wie ihren göttlichen Bräutigam, seine Person, ihr Glück, ihre Stärke und ihren Tröster.



