Christian Preparedness Guides Teil 3
Hier möchte ich zwei Zitate zum Thema vollkommene Reue vorstellen.
aus dem Buch „Die Messe und die Sakramente“ (Mass and the Sacraments) des Priesters John Laux (1928)
„Reue ist der Schmerz oder die Trauer des Verstandes und Abscheu vor der begangenen Sünde mit dem festen Vorsatz, nicht mehr zu sündigen“ (Konzil von Trient).
Die Reue ist der wichtigste Teil unserer Vorbereitung auf den Empfang des Bußsakramentes. Ohne Reue wird keine Sünde jemals vergeben. Daher muss der Akt der Reue vor der Beichte oder zumindest vor der Erteilung der Lossprechung erfolgen.
2. Die Reue ist ein Akt des Willens. – Der Beichtende wendet sich von der Sünde ab, verabscheut sie, bedauert, dass er sie begangen hat, und ist entschlossen, sie zu sühnen und in Zukunft zu vermeiden. Ein solcher Willensakt setzt die Erkenntnis voraus, dass die Sünde ein Übel ist. Wenn wir also wirklich reumütig werden wollen, müssen wir an die Bosheit der Sünde und ihre schrecklichen Folgen denken. Ein Akt des Verstandes muss dem Willensakt vorausgehen.
3. Unsere Reue und damit auch unsere Absicht, uns zu bessern, muss innerlich, allgemein, erhaben und übernatürlich sein.
a) Unsere Reue ist innerlich, wenn wir die Sünde in unserem Herzen als das größte aller Übel verabscheuen und aufrichtig wünschen, sie nie begangen zu haben. “Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider”, sagt der Prophet (Joel 2,13). […]
b) Unsere Reue ist universal, wenn sie sich ausnahmslos auf alle unsere Todsünden bezieht. Wenn wir nur lässliche Sünden zu bekennen haben, müssen wir wenigstens eine davon aufrichtig bereuen, sonst ist unsere Beichte null und nichtig. […]
c) Unsere Reue ist erhaben, wenn wir entschlossen sind, keine Todsünde aus Liebe oder Furcht vor irgendetwas zu begehen.
d) Unsere Reue ist übernatürlich, wenn sie durch die Gnade Gottes hervorgerufen wird und auf Motiven beruht, die uns der Glaube offenbart, z. B. wenn wir unsere Sünden bereuen, weil wir durch sie Gott beleidigt, den Himmel verloren und die Hölle verdient haben. Würden wir unsere Sünden nur bereuen, weil sie uns Schande oder irgendeinen zeitlichen Verlust eingebracht haben, wäre unsere Reue nur eine natürliche Reue, die für unsere Erlösung nicht von Nutzen wäre.
Übernatürliche Reue kann unvollkommen oder vollkommen sein. – Wenn wir unsere Sünden bereuen, weil wir befürchten, dass Gott uns dafür bestrafen wird, ist unsere Reue unvollkommen (attritio). Sie ist unvollkommen, weil sie nicht aus dem höchsten Beweggrund der Liebe geboren ist. „[W]er sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet“ (1 Joh 4,18). Wenn wir hingegen bereuen, dass wir Gott, der unendlich gut ist und unser größter Wohltäter und liebevollster Vater ist, beleidigt haben, ist unsere Reue vollkommen. „[d]ie vollkommene Liebe vertreibt die Furcht“ (1 Joh 4,18)
[…]
Die vollkommene Reue tilgt sofort alle Todsünden, noch bevor wir sie beichten, – so wie die zehn Aussätzigen auf dem Weg zu den Priestern geheilt wurden. „[W]er mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben“ (Johannes 14,21).
Wenn wir also jemals das Pech haben, in eine absichtliche Sünde zu fallen, sollten wir sofort einen Akt der vollkommenen Reue vollziehen. Natürlich sind wir immer noch verpflichtet, zur Beichte zu gehen, um das gewöhnliche Gesetz zu erfüllen, und wir sollten dies so schnell wie möglich tun. Wenn andere in Todesgefahr sind und kein Priester anwesend ist, sollten wir ihnen helfen, die vollkommene Reue erweisen. „Vollkommene Reue ist der Schlüssel zum Himmel.“
Wir sollten immer nach vollkommener Reue für unsere Sünden streben. […] „Die unvollkommene Reue“, sagt das Konzil von Trient, „kann zwar ohne das Bußsakrament den Sünder nicht rechtfertigen, aber sie befähigt ihn, die göttliche Gnade im Bußsakrament zu empfangen.“
4. Unsere Reue muss mit einem festen Vorsatz zur Besserung einhergehen. – Wir müssen uns entschließen:
a) Alle Sünden zu vermeiden, zumindest alle Todsünden;
b) den unmittelbaren Anlass zur Sünde zu meiden und die für unsere Besserung notwendigen Mittel anzuwenden;
c) Buße zu tun und den durch die Sünde verursachten Schaden so weit wie möglich wiedergutzumachen.
Wenn wir nur lässliche Sünden haben, müssen wir fest entschlossen sein, sie zu vermeiden oder wenigstens ihre Zahl zu verringern.
Unter einem unmittelbaren Anlass zur Sünde verstehen wir alles, was uns zur Sünde verleiten kann, wie schlechte Freunde, schlechte Vergnügungen, schlechter Lesestoff. […]
Wenn wir nicht entschlossen sind, die Todsünde oder ihren nächsten Anlass zu vermeiden, haben wir keine echte Reue; wir beichten schlecht, und die Lossprechung nützt uns nichts.
aus dem Buch „Gemeinden ohne Seelsorger“ (1874)
Dritter Theil. Die vollkommene Reue eine Gnadenquelle im Leben und ein Rettungsanker im Tode
I. Was ist die vollkommene Reue?
Die Reue ist ein Schmerz der Seele und ein Abscheu über die begangenen Sünden mit dem Vorsatz, in Zukunft nicht mehr zu sündigen. Sie wird eingeteilt in die unvollkommene und die vollkommene Reue. Die unvollkommene Reue entspringt aus Furcht vor der Hölle und vor dem Verlust des Himmels; sie genügt bei der Beichte, wenn ein Anfang von Liebe zu Gott damit verbunden ist. Die vollkommene Reue hingegen, auch kindliche oder Liebesreue genannt, entspringt aus der vollkommenen Liebe zu Gott, sie ist ein herzlicher bitterer Schmerz über die Sünden deshalb, weil wir dadurch Gott, das höchste und liebenswürdigste Gut, beleidigt haben. Die Furcht vor der Hölle und die Hoffnung des Himmels brauchen von der vollkommenen Reue nicht ausgeschlossen zu werden, müssen aber zurücktreten. Der wahrhaft Liebende verlangt nach dem Himmel, um mit dem Gott seines Herzens vereinigt zu werden, und fürchtet die Hölle nur deshalb, weil er dort auf ewig von Gott getrennt sein würde; aus der Größe der Strafe erkennt er die Größe der Gott zugefügten Beleidigung. Der eigentliche Beweggrund seiner Reue aber ist die Liebe zu Gott […]. Aus dieser Liebe entspringt dann ein überaus großer Schmerz, einen so liebenswürdigen Gott beleidigt zu haben, ein wahrer Haß und Abscheu gegen die Sünde und der feste Vorsatz, lieber Alles zu verlieren und selbst den bittersten Tod auszustehen, als Gott durch eine schwere Sünde zu beleidigen, auch alle läßlichen Sünden als Beleidigungen des höchsten Gutes nach Kräften zu meiden, die zur Besserung notwendigen Mittel zu gebrauchen, Buße zu tun und die schlimmen Folgen der Sünde möglichst wieder gut zu machen.
Ein solcher Reueschmerz erfüllte die hl. Maria Magdalena, als sie zu den Füßen Jesu in Tränen zerfloß; den hl. Petrus, da er hinaus ging und bitterlich weinte; den Schächer am Kreuz, als er zu Jesus sprach: „Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!“ Diesen festen Vorsatz hatte der hl. Paulus, welcher beteuerte: „Weder Tod noch Leben, noch irgend eine Kreatur wird mich zu scheiden vermögen von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu.“ Röm. 8; desgleichen der hl. Anselmus, welcher erklärte: „Wenn ich auf der einen Seite einen glühenden Feuerofen und auf der andern eine läßliche Sünde sähe, dann wollte ich lieber in den Ofen gestürzt werden, als Gott durch eine läßliche Sünde beleidigen.“
Die wahrhaft dankbare Liebe, d. h. jene Liebe, welche nicht so sehr an die Gaben, sondern vielmehr an Gott, den Geber, denkt und ihn wegen seiner unendlichen Gütigkeit über Alles liebt, ist eine vollkommene Liebe und darum die aus ihr entspringende Reue auch eine vollkommene Reue. Dasselbe gilt von der kindlichen Liebe. […]
II. Was bewirkt die vollkommene Reue?
Der Mensch kann auf dreifache Weise für schwere Sünden Vergebung erlangen, erstens durch das Sakrament der Taufe, zweitens durch das Sakrament der Buße, drittens durch die vollkommene Reue in Verbindung in Verbindung mit dem Verlangen nach dem Sakrament. Die Kirche lehrt nämlich hinsichtlich der vollkommenen Reue, daß dieselbe verbunden mit dem Verlangen nach dem Sakrament (der Taufe bei den Ungetauften, der Buße bei den Getauften) den Sünder schon vor dem wirklichen Empfang des Sakramentes mit Gott aussöhnt und ihm Verzeihung aller Sünden erlangt. Die vollkommene Reue setzt die vollkommene Liebe Gottes voraus, diese aber und die Ungnade Gottes können nicht zusammen in der Seele bestehen, jene Liebe hebt die Ungnade auf, ihr heftiges Feuer verzehrt die Sünde. Beispiele sind David, Maria Magdalena, Petrus, der Schächer u. A. Von Magdalena sagte der Herr: „Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat.“ Luk. 7.
Die vollkommene Reue rechtfertigt also den Sünder, und zwar nicht bloß im Notfall und in Todesgefahr, sondern überhaupt und immer, wenn sie nur wahrhaft vorhanden ist. Weil aber im Neuen Bund nach Christi Anordnung jede schwere Sünde der Schlüsselgewalt der Kirche unterworfen werden soll, so muss mit dieser Reue das Verlangen zu beichten verbunden sein. Dasselbe braucht jedoch kein ausdrückliches zu sein, sondern es genügt das in der vollkommenen Liebe von selbst eingeschlossene Verlangen nach dem Sakrament oder überhaupt der feste Vorsatz, Alles zu tun, was Gott verlangt. Das hl. Konzil von Trient lehrt: „Obgleich es zuweilen geschieht, daß die Reue durch die Liebe vollkommen ist und den Sünder schon vor dem wirklichen Empfang des Bußsakramentes mit Gott versöhnt, so lehrt doch der hl. Kirchenrat, daß diese Versöhnung nicht jener Reue allein ohne das Verlangen nach dem Sakrament, welches Verlangen in ihr eingeschlossen ist, zugeschrieben werden darf.“ Konzil von Trient 14. Sitzg. 4 Kap. Wenn man deshalb bei nächster Gelegenheit zur heiligen Beichte gehen: das ist Pflicht, weil Christi Gebot. Dazu nötigt uns auch die Ungewissheit, ob unsere Reue wahrhaft vollkommen gewesen. Ein verschuldeter Aufschub der Beichte nach begangener schwerer Sünde wäre ein ziemlich sicheres Zeichen, daß die Reue, welche man etwa über diese Sünde erweckt hat, nur eine unvollkommene gewesen und die Todsünde nicht getilgt hat.
III. Wann soll man die vollkommene Reue erwecken?
1. Obgleich bei der Beichte die unvollkommene Reue genügt, so sollen wir doch bei derselben die vollkommene zu erwecken suchen. Die Früchte des Bußsakramentes richten sich vorzüglich nach der Reue. Je herzlicher diese ist, um so mehr zeitliche Strafe wird uns zugleich mit der ewigen nachgelassen und ein um so größeres Maß der heiligmachenden und anderer Gnaden uns zugetheilt. Fehlt die Reue aber gänzlich, dann ist die Beichte ungültig. […] Die Reue muß vor der Lossprechung erweckt sein.
2. Rathsam ist es, außer der Beicht öfters vollkommene Reue zu erwecken, etwa jeden Abend oder doch des Sonntags, auch nach Begehung ganz freiwilliger läßlicher Sünden, namentlich wenn wir zweifeln, ob die Sünde eine läßliche oder nicht vielmehr eine schwere gewesen. Zwei Gründe sollen uns dazu veranlassen.
Erstens haben wir niemals zweifellose Gewißheit darüber, ob wir uns im Stande der heiligmachenden Gnade befinden. […] Selbst der große Weltapostel Paulus bekennt von sich: „Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber darum noch nicht gerechtfertigt: der Herr ist’s, der mich richtet.“ 1. Cor. 4,4. […] Jedoch soll uns diese Ungewißheit nicht mit Verzweiflung, wohl aber mit heilsamer Furcht erfüllen. „Wirket euer Heil mit Furcht und Zittern!“ Phil. 2,12. Eine oftmalige herzliche Reue mildert diese Furcht, denn der Psalmist sagt: „Ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.” Ps. 50,18. Die Liebesreue also, wenn sie unser Herz andauernd erfüllt, sichert uns die Barmherzigkeit Gottes und mit ihr unser ewiges Heil.
Aber auch angenommen, daß wir uns im Stande der heiligmachenden Gnade befinden, so sollen wir noch aus einem anderm Grunde oftmals die vollkommene Reue erwecken. Dieser zweite Grund ist ihre große Verdienstlichkeit. Sie erlangt uns Verzeihung der läßlichen Sünden, in welche wir täglich fallen, und mindert die auf uns haftende zeitliche Strafe: dadurch aber verkürzt sie die uns erwartende Fegefeuerstrafe. Auch vermehrt sie in uns die Gnade und Liebe Gottes, stärkt uns zum Guten und trägt so zur Erhöhung unserer zu hoffenden Seligkeit bei. […] Auf Erden kann ja die Liebe Gottes nicht bestehen ohne den Schmerz, diesen liebenswürdigsten Gott so oft beleidigt zu haben: die vollkommene Reue ist gleichsam die irdische Form der vollkommen Liebe.
3. Ganz besonders soll der Christ die vollkommene Reue erwecken, wenn er das Unglück gehabt hat, in eine schwere Sünde zu fallen. Lege dich niemals in einer Todsünde schlafen, du könntest in der Hölle erwachen! Auch ist es Glaubenslehre, daß man im Stande der Ungnade nichts für den Himmel verdienen kann. Solltest du jemals in eine schwere Sünde fallen, dann suche dich alsbald mit dem von dir beleidigten Gott durch eine wahre Liebesreue wieder zu versöhnen. Klage dich deiner Schuld vor ihm an, flehe fußfällig um Verzeihung, bitte um Zeit und Gnade zur Beichte und Bekehrung. […] Man braucht jedoch diesen Schmerz nicht sinnlich zu empfinden, weil die Reue ein geistiger Schmerz, ein Seelenschmerz ist, eine Bewegung nicht des sinnlichen Gefühles, sondern des Willens. Solltest du nun nach einer solchen herzlichen Liebesreue plötzlich ohne die heiligen Sakramente sterben, dann wirst du an Gott einen versöhnten und barmherzigen Richter finden, der dich nicht auf ewig verstoßen wird. Fristet dir aber der Herr dein Leben, dann gehe zur hl. Beichte, sobald du Gelegenheit dazu hast. […]
4. Im Tode endlich ist diese Reue bei schwerer Sünde und in Ermangelung der hl. Sakramente das einzige Rettungsmittel. Wir dürfen vertrauen, daß Gott die dazu erforderliche Gnade Denjenigen verleihen werde, die eines wahrhaft guten Willens sind und keine Gelegenheit haben, zu beichten. Das gilt namentlich von frommen Katholiken, die eines unversehenen Todes sterben, und von jenen Menschen, welche ohne ihre Schuld außerhalb der katholischen Kirche leben und sterben, aber nach Kräften die Wahrheit gesucht und die Tugend geübt haben. Auch ein Irrgläubiger, ein Jude, ein Türke, ein Heide, kann dadurch noch selig werden, daß er auf dem Sterbebette sich zu Gott wendet, mit vollkommener Liebesreue um Verzeihung bittet und zugleich das zu thun und zu empfangen wünscht, was er mit der Gnade Gottes als zum Heile nothwendig erkennt. Gott will ja, daß alle Menschen selig werden, allen bietet er seine rettende Hand und nur, wer sie zurückstößt, geht zu Grunde. Wie nachher zu zeigen, kann die vollkommene Reue mit Hülfe einer besonderen göttlichen Gnade in einem Augenblicke und bloß mit dem Herzen erweckt werden. Die Gnade zündet zuweilen in der Seele plötzlich, wie ein Blitzstrahl. Insofern wir aber Mitwirken müssen, wird uns diese Reue im Tode um so leichter werden, je öfter und herzlicher wir sie im Leben geübt haben. —
IV. Wie kann die vollkommene Reue erweckt werden?
[…] Jeder Mensch, auch der einfältigste und ungelehrteste, auch der größte Sünder, kann und soll sie erwecken, ja unter Umständen hängt sein ewiges Heil davon ab. Andererseits darf man sich diese Reue auch nicht zu leicht denken. Es gehört vielmehr von Seiten des Menschen ein fester entschiedener Wille, von Seiten Gottes eine besondere, eine außerordentliche Gnade dazu. Gott versagt aber diese Gnaden Keinem, der ihn inständig darum bittet und selbst nach Kräften mitwirkt.
Viele Worte tun es nicht, die Reue muss im Herzen sein. Der hl. Franziskus seufzte einstmals eine ganze Nacht zu Gott: „O mein Gott und Alles! O mein Gott und Alles: o du allersüßester mein Gott und alles!“ Das war eine vollkommene Liebe. In ähnlichen kurzen Anmutungen kann die vollkommene Reue erweckt werden. David, welcher sich eines Ehebruches und Mordes schuldig gemacht hatte, sprach nur: „Ich habe dem Herrn gesündigt“, und gleich hörte er von Propheten die Worte: „So hat der Herr auch deine Sünde hinweg genommen.“ 2. Kön. 12. Der Zöllner schlug an seine Brust sprechend: „Herr, sei mir Sünder gnädig“, und er ging gerechtfertigt nach Hause. Lukas 18. Beide hatten in ihrem Herzen eine innige Liebe zu Gott und einen überaus großen Schmerz wegen der Beleidigung, welche sie ihm zugefügt, zugleich mit dem festen Willen, sich zu bessern und genugzutun, obschon sie nicht dieses Alles durch Worte ausdrückten.
Das sicherste Kennzeichen der vollkommenen Reue sind entsprechende Taten, nämlich baldige Beichte, wenn sie möglich, wahrhafte Lebensbesserung, Flucht der Gelegenheiten, Aussöhnung mit dem Nebenmenschen, Bußwerke, Eifer im Gebet, in Erfüllung der Standespflichten, in Ausübung der Nächstenliebe usw. Die vollkommene Liebe und Reue ist kein aufflackerndes und bald erlöschendes Strohfeuer, sondern eine das Herz entzündende und andauernde Glut. Durch öftere Erweckung empfängt die innere Glut neue Nahrung und wird zur Flamme angefacht. Herzliche Reuetränen, wie bei Magdalena und Petrus, sind eine besondere Gnade, aber keineswegs notwendig.
Die vollkommene Reue ist, wie gesagt, eine Gnade, welche durch Gebet und Mitwirkung erlangt wird. Darum bete öfter und mit Inbrunst um eine wahre herzliche Liebesreue. Rufe die heiligen Büßer um ihre Fürbitte an, wende dich an Maria, die Zuflucht der Sünder. Weil man ferner seine Sünden, um sie zu bereuen, erste erkennen muss, so erforsche fleißig dein Gewissen, wo möglich jeden Abend (namentlich über deinen Hauptfehler). Die Selbstprüfung und Selbsterkenntnis wird dir die Augen darüber öffnen, wie zahllose und große Beleidigungen du seither schon deinem Gott zugefügt hast. Strafe dich selbst durch Bußwerke je nach deinen Verhältnissen und der Größe deiner Vergehungen. Solche Werke sind: Fasten oder wenigstens ein kleiner Abbruch in Speise und Trank, Abtötung der Augen, der Zunge, Enthaltung von einem erlaubten Vergnügen, ein Almosen, insbesondere die geduldige Ertragung von Leiden und Beschwerden als Buße für die Sünden. […]


