Altötting

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Altötting ist eine Stadt in Bayern mit rund 13.000 Einwohnern und der bekannteste Wallfahrtsort Bayerns. Die Stadt ist aus zwei Gründen ein Wallfahrtsziel: Hier befindet sich eine Marienstatue, bei der viele Gebete erhört und Menschen durch die Fürsprache der Jungfrau Maria geheilt wurden. Zweitens war es der Ort, an dem der heilige Konrad von Parzham (Bruder Konrad) als Pförtner des örtlichen Kapuzinerklosters tätig war.

Die Kapelle

Die Gnadenkapelle befindet sich in der Mitte des Hauptplatzes.

Die erste schriftliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Jahr 877, sie stand also bereits zu dieser Zeit; im 15. Jahrhundert wurde sie erweitert.

Die Wallfahrt

Im Jahr 1489 ertrank in Altötting ein dreijähriger Junge in einem Bach. Seine Mutter legte ihn auf den Altar der Kapelle und betete gemeinsam mit anderen inständig und der Junge wurde daraufhin wieder lebendig.

Im selben Jahr geriet ein sechsjähriger Junge unter einen Wagen und wurde überrollt. Der Junge schwebte in Lebensgefahr, doch man rief die Mutter Gottes um Hilfe an, und am nächsten Tag war er wieder gesund. Diese Wunder machten Altötting berühmt.

Altötting wurde zu einem Wallfahrtsort, und viele Menschen berichteten, dass Gott ihre Gebete durch die Fürsprache der Jungfrau Maria erhört habe. Es wurde zur Tradition, dass Menschen, deren Gebete auf wundersame Weise erhört wurden, kleine Bilder mit einer kurzen Dankesbotschaft und ihrem Namen oder ihren Initialen anfertigten.

Es lohnt sich, die verschiedenen Bilder an den Wänden genauer zu betrachten. An den Wänden der Kapelle, sowohl innen als auch außen, befinden sich rund 2000 Bilder.

Die Statue

Die als „Schwarze Madonna“ bezeichnete Statue ist aus Lindenholz gefertigt und 64–66 cm hoch. Sie wurde um 1330 in Frankreich angefertigt und ist durch den Ruß der Kerzen schwarz geworden.

Bruder-Konrad-Kirche

Die Kirche wurde von 1654 bis 1657 unter dem Namen „St. Anna“ erbaut. Seitdem wurde sie von den Franziskanern genutzt, und hier nahm der heilige Bruder Konrad gemeinsam mit seinen Mitbrüdern an der Messe teil. Im Jahr 1953 genehmigte die Ritenkongregation die Umbenennung von St. Anna in St. Konrad. Die Kirche wurde 2017–2018 renoviert.

An die Kirche angeschlossen ist das Kapuzinerkloster, in dem Bruder Konrad lebte. Obwohl große Teile des Klosters in den Jahren 1959–1961 und 2006–2008 abgerissen und wieder aufgebaut wurden, blieben das Zimmer des heiligen Konrad und das ursprüngliche Klosterpforte erhalten. Es gibt auch einen kleinen, als Museum gestalteten Raum, in dem Besucher mehr über das Leben des Heiligen Konrad erfahren können.

Das Grab des Heiligen Konrad befindet sich hinter dem Novus-Ordo-Altar.

In dieser Kirche gibt es sieben wunderschöne Glasfenster, die das Leben des Heiligen Konrad darstellen.

Stiftspfarrkirche

Die Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus wurde in ihrer heutigen Form zwischen 1499 und 1511 fertiggestellt. Die ursprüngliche Kirche wurde im 9. Jahrhundert erbaut.

Sie wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach renoviert und umgebaut. Eine der Sehenswürdigkeiten der Kirche ist ein Kreuzgang im hinteren Teil der Kirche.

Basilika St. Anna

Die Basilika ist eine der größten Kirchen Bayerns: Sie ist 83 Meter lang und 27,5 Meter breit. Sie wurde zwischen 1910 und 1912 erbaut und im folgenden Jahr von Papst Pius X. zur „basilica minor“ ernannt. Der Hauptgrund für den Bau war, eine Kirche für die große Zahl der in die Stadt strömenden Pilger zu schaffen.

St. Magdalena

Diese Kirche blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück, da sie von verschiedenen Orden betrieben wurde, angefangen bei den Jesuiten. In der Kirche wird die Beichte und die Segnung religiöser Gegenstände angeboten.

Die alte Messe in der Stadt

Diese Kirche liegt etwa 250 Meter vom Zentrum entfernt und scheint weniger besucht zu sein, doch dort wird eine alte Messe vom Institut Christus König (ICK) gefejert. Etwa 200 Meter von der St.-Anna-Kirche entfernt betreibt die Piusbruderschaft (SSPX) ebenfalls eine Kapelle.

Der Hauptplatz

Der Hauptplatz in Altötting ist der Ort, an den die meisten Besucher gehen.

Da „Benedikt XVI.“ in der Stadt Marktl geboren wurde, die nur etwa 15 Kilometer von Altötting entfernt liegt, wird an verschiedenen Orten in der Stadt an ihn erinnert. Auf dem Hauptplatz steht eine Statue zu seinem Gedenken. Ein kleiner Platz östlich des Hauptplatzes sowie ein Museum sind nach ihm benannt.

Der Bahnhof

Altötting hat einen Bahnhof an der nicht elektrifizierten Strecke Mühldorf–Burghausen (RB 42). Die Züge auf dieser Strecke sind in der Regel etwas älter und an Feiertagen und Wochenenden meist gut besucht.

Die Geschäfte

Rund um den Hauptplatz der Stadt, um die Kapelle herum und auf der Straße in Richtung St. Konrad gibt es verschiedene Geschäfte, die religiöse Artikel wie Rosenkränze, Benediktusmedaillen, Kerzen usw. verkaufen.

Der heilige Bruder Konrad

Altötting ist nicht nur für die Wallfahrten und die Wunder bekannt, die mit der Muttergottes von Altötting verbunden sind, sondern auch für einen Heiligen, der dort lebte.

Der folgende Abschnitt basiert auf dem Buch „Die Heiligen des Kapuzinerordens“, das 1976 vom Kapuzinerpater Edelbert Lindner veröffentlicht wurde.

Bruder Konrad wurde am 22. Dezember 1818 in Parzham, Bayern, unter dem Namen Johann Birndorfer in eine Bauernfamilie geboren. Er war der zweitjüngste von zwölf Kindern. Da vier ihrer Kinder früh verstorben waren, brachte der Vater das Baby noch in derselben Nacht zum Priester, um es taufen zu lassen.

Als „Hans“ zur Schule ging, betete er auf dem Weg gerne den Rosenkranz. Er erzielte hervorragende Noten. Als Teenager verlor er seine Eltern.

Als junger Mann trat er sieben verschiedenen Bruderschaften bei. Mit 23 Jahren trat Johann zudem dem Franziskaner-Drittorden in Altötting bei. Konrads Geschwister drängten ihn, den Familienhof zu übernehmen. Er arbeitete einige Jahre als Landwirt, spürte jedoch immer stärker den Ruf Gottes zum Ordensleben.

Im Jahr 1849, im Alter von 31 Jahren, trat Johann als Laienbruder in das Kloster ein und erhielt den Namen „Konrad“. Während seines Noviziats wurde er zum Asisstenten des Klostergärtners ernannt.

Nachdem er seine Gelübde abgelegt hatte, wurde er als Pförtner im Altöttinger Kloster eingesetzt. Viele waren überrascht, da diese Aufgabe normalerweise Brüdern übertragen wurde, die bereits über etwas Erfahrung verfügten.

Konrad verteilte Brot und Suppe an die Armen der Umgebung. Er war sehr großzügig gegenüber den Armen, besonders gegenüber den armen Kindern. Es war immer genug Brot vorrätig. Konrad sagte: „Was man den Armen gibt, kommt alles wieder herein.“ (S. 325)

Als Konrad Novize war, schrieb er das folgende Gelübde nieder: Ich will mich bestreben, die Bruderliebe in mir und andern zu bewahren. Da will ich mich recht hüten, daß ich nie ein Wort rede, das wider die Liebe wäre. Die Fehler und Mängel und Schwachheiten (der andern) will ich geduldig ertragen, wenn es anders nicht Pflicht ist, es demjenigen zu entdecken, der es abstellen kann (nämlich dem Obern). (S. 334)

Konrad empfing täglich die Heilige Kommunion, was zu jener Zeit ein außergewöhnliches Privileg war. Er betete jeden Tag viele Stunden lang, so sehr, dass seine Oberen ihm manchmal befehlen mussten, sich mehr auszuruhen.

Konrad hatte zu verschiedenen Zeiten gezeigt, dass Gott ihm die Gabe der Prophezeiung geschenkt hatte. So sagte er beispielsweise einmal zu einem jungen Mann (Johann von Gott Winterl), der das Kloster besuchte, dass dieser eines Tages Priester werden würde. Der Mann rannte davon, da er Medizin studierte und heiraten wollte. Doch es kam genau so, wie Bruder Konrad es vorausgesagt hatte: Er wurde Priester und Theologe.

Konrad starb am 21. April 1894; seine letzten Worte lauteten: „Wie Gott will“.

Bruder Konrad: ein Heiliger

Nach Konrads Tod waren sich viele Menschen einig, dass er ein Heiliger war und seliggesprochen werden sollte. Der Seligsprechungsprozess begann 1912 und wurde am 15. Juni 1930 unter dem Vorsitz von Papst Pius XI. erfolgreich abgeschlossen. Vier Jahre später, am 20. Mai 1934, wurde er von demselben Papst heiliggesprochen.

Der Arzt des Klosters sagte im Seligsprechungsprozess aus: „Oft war es mir vergönnt, den Diener Gottes mitten im Gedränge der Wallfahrer und Armen, die Speisen und Getränke verlangten, zu bewundern, wie der kleine, gebeugte stets gebrechlicher werdende Bruder seines mühevollen Amtes mit nie versiegender Güte, staunenerregender Geduld und unglaublicher Ausdauer waltete. […] Nicht selten kam es im Tag zweihundertmal vor, daß er herausgeschellt wurde. Hundertmal war es immer der gute Bruder Konrad, der mir die Klosterpforte in stets gleich rührender Demut mit freundlichem Lächeln aufschloß. Und so wie gegen mich, verhielt er sich gegen alle, die an die Pforte klopften. Er wollte nie krank sein, um ja seinen geliebten Beruf vollziehen zu können, und schleppte sich fort, bis die zunehmende Altersschwäche, die Atemnot, den treuen Dineer Gottes auf das Sterbebett zwang.“ (S. 322)

Er ist heute in der Kapuzinerkirche St. Konrad beigesetzt. Wenn keine Messe (oder zumindest die moderne deutsche Version der „Messe“) stattfindet, können Pilger das Grab von Bruder Konrad umrunden. Das Kloster wurde 1961 in St.-Konrad-Kloster umbenannt.