
Aeterni Patris: Zur Wiederherstellung der christlichen Philosophie
„Wer seine Aufmerksamkeit auf die erbitterten Streitigkeiten dieser Tage richtet und nach einem Grund für die Unruhen sucht, die das öffentliche und private Leben plagen, muss zu dem Schluss kommen, dass eine wesentliche Ursache für die Übel, die uns derzeit bedrängen, sowie für jene, die uns drohen, darin liegt, dass sich falsche Schlussfolgerungen über göttliche und menschliche Dinge, die ihren Ursprung in den philosophischen Schulen haben, mittlerweile in alle Staatsordnungen eingeschlichen haben und vom allgemeinen Konsens der Massen akzeptiert wurden. Denn da es in der Natur des Menschen liegt, sich in seinem Handeln von der Vernunft leiten zu lassen, folgt, sobald sein Verstand sündigt, bald auch sein Wille; und so kommt es, dass falsche Meinungen, deren Sitz im Verstand liegt, das menschliche Handeln beeinflussen und verkehren. Sind die Menschen hingegen besonnen und stützen sich auf wahre und solide Grundsätze, so ergibt sich daraus ein großer Nutzen für das öffentliche und private Wohl. Wir schreiben der Philosophie zwar nicht eine solche Kraft und Autorität zu, dass wir sie für fähig hielten, alle Irrtümer zu bekämpfen und auszurotten; denn als die christliche Religion ins Leben gerufen wurde, kam sie auf die Erde, um die Menschheit durch das bewundernswerte Licht des Glaubens, das ‚nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung von Geist und Kraft‘ [1Kor 2,4] verbreitet wurde, zu ihrer ursprünglichen Würde zurückzuführen; so blicken wir auch in der heutigen Zeit vor allem auf die mächtige Hilfe des allmächtigen Gottes, um den Verstand der Menschen wieder zu einem rechten Verständnis zu führen und die Finsternis des Irrtums zu vertreiben. [siehe “Inscrutabili Dei consilio,” 78:113.]“ (2)
„Zunächst einmal trägt die Philosophie, wenn sie von den Weisen richtig genutzt wird, in gewisser Weise dazu bei, den Weg zum wahren Glauben zu ebnen und zu festigen und die Seelen ihrer Anhänger auf die angemessene Aufnahme der Offenbarung vorzubereiten; aus diesem Grund wird sie von den antiken Schriftstellern zu Recht mal als Sprungbrett zum christlichen Glauben [Klement von Alexandrien, “Stromata,” 1, 16 (PG 8, 795); 7, 3 (PG 9, 426)], mal als Auftakt und Hilfe des Christentums [Origenes, “Epistola ad Gregorium” (PG 11, 87-91)], mal als Lehrer des Evangeliums [Klement von Alexandrien, “Stromata,” 1,5 (PG 8, 718-719)] bezeichnet.“ (4)
„Schließlich gehört es zu den Aufgaben der Philosophie, die göttlich überlieferten Wahrheiten gewissenhaft zu verteidigen und denen Widerstand zu leisten, die es wagen, sich ihnen zu widersetzen. Daher ist es der Ruhm der Philosophie, als Bollwerk des Glaubens und als starke Verteidigung der Religion geschätzt zu werden.“ (7)
„Da also in dem Sturm, der über uns hereinbricht, der christliche Glaube ständig von den Machenschaften und der List einer gewissen falschen Weisheit angegriffen wird, sollten alle Jugendlichen, insbesondere aber jene, die die wachsende Hoffnung der Kirche sind, mit der kräftigen und nahrhaften Speise der Lehre genährt werden, damit sie, stark an Kraft und in jeder Hinsicht gewappnet, daran gewöhnt werden, die Sache der Religion mit Kraft und Urteilsvermögen voranzubringen, ‚den Herrn Christus aber heiliget in euern Herzen, allezeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der von euch Rechenschaft über die Hoffnung fordert, die ihr in euch habt‘ [1Petr 3,15], und damit sie fähig sind, in gesunder Lehre zu ermahnen und die Widersacher zu überzeugen. [Tit 1,9]“ (27)
„Selbst das Staatswesen und die Zivilgesellschaft, die, wie jeder sieht, durch diese Plage verkehrter Ansichten einer großen Gefahr ausgesetzt sind, würden sicherlich ein weitaus friedlicheres und sichereres Dasein genießen, wenn an den Universitäten und Gymnasien eine gesündere Lehre vermittelt würde – eine, die mehr im Einklang mit der Lehre der Kirche steht, wie sie in den Werken des Thomas von Aquin enthalten ist.“ (28)
„Während Wir daher der Ansicht sind, dass jedes Wort der Weisheit, jede nützliche Erkenntnis, von wem auch immer sie entdeckt oder entwickelt wurde, mit bereitwilligem und dankbarem Geist aufgenommen werden sollte, ermahnen Wir euch, verehrte Brüder, in aller Ernsthaftigkeit, die goldene Weisheit des heiligen Thomas wiederherzustellen und sie weit und breit zu verbreiten – zur Verteidigung und zur Schönheit des katholischen Glaubens, zum Wohl der Gesellschaft und zum Nutzen aller Wissenschaften. Die Weisheit des heiligen Thomas, sagen Wir; denn wenn etwas von den scholastischen Lehrmeistern mit zu großer Subtilität behandelt oder zu nachlässig dargelegt wurde – wenn es etwas gibt, das mit den Entdeckungen einer späteren Zeit schlecht vereinbar ist oder, kurz gesagt, in irgendeiner Weise unwahrscheinlich erscheint –, kommt es Uns nicht in den Sinn, dies Unserer Zeit zur Nachahmung vorzuschlagen. Sorgfältig ausgewählte Lehrer sollen sich bemühen, die Lehre des Thomas von Aquin in die Köpfe der Studenten einzuprägen und seine Solidität und Überlegenheit gegenüber anderen klar darzulegen. Sollen die von euch bereits gegründeten oder noch zu gründenden Universitäten diese Lehre veranschaulichen und verteidigen und sie zur Widerlegung vorherrschender Irrtümer nutzen. Damit jedoch nicht das Falsche für das Wahre oder das Verdorbene für das Reine eingenommen werde, seid wachsam, dass die Lehre des Thomas aus seinen eigenen Quellen geschöpft werde oder zumindest aus jenen Bächen, die, von der Quelle selbst ausgehend, bisher gemäß der feststehenden Übereinkunft der Gelehrten rein und klar geflossen sind. Achtet darauf, die Gemüter der Jugend vor jenen zu bewahren, von denen behauptet wird, sie flössen von dort, die aber in Wirklichkeit aus fremden und unheilsamen Strömen geschöpft sind.“ (31)
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Militantis Ecclesiae: Zum 300. Todestag des heiligen Petrus Canisius
„Tatsächlich gibt es gewisse Parallelen zwischen unserer Zeit und der Epoche, in der Canisius lebte: einer Zeit, in der der Geist der Revolution und die Lockerung der Glaubenslehre zu einem großen Glaubensverlust und einem Verfall der Sitten führten. Vor allem die Jugend von dieser doppelten Geißel zu befreien, war das Ziel dieses Mannes, der nach Bonifatius der zweite Apostel Deutschlands ist. Er erreichte dieses Ziel vor allem durch die Gründung von Schulen und die Veröffentlichung guter Bücher sowie durch wirkungsvolle Predigten und scharfsinnige Debatten.“ (2)
„Wir nutzen nun gerne diese Gelegenheit, um den tatkräftigen Anführer Petrus Canisius allen als Vorbild vorzustellen, die in den Reihen der Kirche für Christus kämpfen. Indem sie erkennen, dass sie die Waffen der Erkenntnis mit den Waffen der Gerechtigkeit verbinden müssen, werden sie den Glauben kraftvoller und wirksamer verteidigen können.“ (4)
„Er widmete sich der Unterweisung von Kindern und verfasste sogar elementare Schreibbücher und Grammatiken für deren Gebrauch. So wie er oft von Predigtreisen an den Höfen der Könige zurückkehrte, um das Volk anzusprechen, so verfasste er nach gelehrten Schriften über Dogmatik oder Moral gewöhnlich Traktate, die entweder dazu bestimmt waren, den Glauben des Volkes zu stärken oder dessen Frömmigkeit zu wecken und zu nähren. Es gelang ihm auf wunderbare Weise, die Unerfahrenen davor zu bewahren, in die Netze des Irrtums zu geraten. Die ‚Summa‘, die er zu diesem Zweck veröffentlichte, ist ein kompaktes und stringentes Werk, verfasst in wunderschönem Latein und den Kirchenvätern durchaus würdig. Dieses bemerkenswerte Werk wurde von Gelehrten in fast allen Ländern Europas begeistert aufgenommen. Weniger umfangreich, aber nicht weniger nützlich waren die beiden berühmten Katechismen, die dieser selige Mann für weniger gebildete Geister verfasste: der eine für die religiöse Unterweisung von Kindern, der andere für junge Männer, die sich bereits mit dem Studium der Künste befassten. Diese beiden Werke hatten unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung unter Katholiken einen so großen Erfolg, dass fast alle Professoren, die mit der Vermittlung der Grundlagen des Glaubens betraut waren, sie zur Hand hatten. Sie wurden nicht nur in den Schulen als geistliche Nahrung für die Kinder verwendet, sondern auch öffentlich in den Kirchen zum Nutzen aller erläutert. So galt Canisius drei Jahrhunderte lang als Lehrer der Katholiken in Deutschland. Im Volksmund war ‚Canisius kennen‘ gleichbedeutend mit ‚den christlichen Glauben bewahren‘.“ (8)
„Wenn es jemals eine Zeit gab, in der reichlich Wissenschaft und Wissen erforderlich waren, um den katholischen Glauben zu verteidigen, dann ist es zweifellos unsere Zeit, in der der rasante Fortschritt in allen Wissenszweigen den Feinden des christlichen Glaubens oft Anlass bietet, ihn anzugreifen. Wir müssen daher die gleichen Kräfte aufbieten, um ihren Angriff abzuwehren. Wir müssen die Initiative ergreifen und ihnen die Waffen aus den Händen reißen, mit denen sie versuchen, alle Verbindungen zwischen Gott und dem Menschen zu zerstören.“ (10)
„Katholiken, die auf diese Weise gestärkt und angemessen unterwiesen sind, werden deutlich zeigen können, dass der Glaube keineswegs der menschlichen Kultur feindlich gegenübersteht, sondern vielmehr deren Höhepunkt und Gipfel darstellt; dass er selbst in Punkten, in denen ein scheinbarer Widerspruch oder eine scheinbare Gegensätzlichkeit besteht, so eng mit der Philosophie in Einklang gebracht werden kann, dass sich beide gegenseitig erhellen; dass die Natur nicht der Feind, sondern der Begleiter und Helfer der Religion ist; und schließlich, dass die Inspiration durch die Religion nicht nur alle Arten von Wissen bereichert, sondern auch der Literatur und den anderen Künsten neue Kraft und neues Leben verleiht.“ (11)
„Den Unterricht so zu gestalten, dass er jeglichen Kontakt zur Religion verliert, bedeutet daher, die Keime der Schönheit und Ehre in der Seele zu zerstören. Es bedeutet, nicht Verteidiger der Nation heranzubilden, sondern eine Plage und eine Geißel für die Menschheit. Wenn Gott einmal verdrängt ist, was kann dann junge Menschen noch zur Pflichttreue anhalten oder sie zurückholen, wenn sie vom Pfad der Tugend abgekommen sind und in den Abgrund des Lasters stürzen?“ (17)
„Was die übrigen Katholiken in eurem Land betrifft, so sollten sie sich bemühen, die Rechte der Eltern und die der Kirche bei der Erziehung der Jugend sicher und unversehrt zu bewahren.“ (15)
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