In der heutigen Zeit, in der der sogenannte „Papst Franziskus“ äußerst problematische Dokumente herausgibt und von seinem Nachfolger „Papst Leo“ entsprechende Taten und Äußerungen bekannt wurden, vergisst man leicht, dass die aktuelle Krise nicht erst mit ihnen begann, sondern bereits Jahrzehnte zurückreicht.
Im Jahr 1979 veröffentlichte „Johannes Paul II.“ seine erste Enzyklika mit dem Titel „Redemptor Hominis“ (RH). Auch wenn dieses Dokument bereits über vier Jahrzehnte alt ist, halte ich es für sinnvoll, es erneut zu analysieren.
Diese Enzyklika weist verschiedene Probleme auf, von denen einige sehr problematisch sind. In dieser zweiteiligen Artikelserie werde ich Teile dieses Dokuments kommentieren. Alle Hervorhebungen stammen von mir.
In dieser Serie beziehe ich mich auf ein Buch des deutschen Priesters Johannes Dörmann (1922–2009). Er veröffentlichte in den 1990er Jahren eine vierbändige Buchreihe mit dem Titel „Der theologische Weg Johannes Pauls II. zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi“ (englischer Titel: „Pope John Paul II’s Theological Journey to the Prayer Meeting of Religions in Assisi“). Da ich nur die englische Version im Internet finden konnte, stammt der Text aus dieser Übersetzung.

Ich verwende „Teil II, Band I“ der englischen Übersetzung mit dem Titel „First Encyclical: Redemptor Hominis“.
Johannes Paul II. beginnt seine Enzyklika wie folgt:
„DER ERLÖSER DES MENSCHEN, Jesus Christus, ist die Mitte des Kosmos und der Geschichte. Zu ihm wenden sich mein Denken und Fühlen in dieser feierlichen geschichtlichen Stunde, die die Kirche und die ganze Menschheitsfamilie heute durchleben. Tatsächlich stehen wir jetzt schon nahe am Jahr 2000, da Gott in seinem unerforschlichen Ratschluß mir als Nachfolger des geliebten Papstes Johannes Paul I. das Amt zum Dienst der ganzen Kirche übertragen hat, das mit der Kathedra des Petrus in Rom verbunden ist.“ (RH 1)

Screenshot aus einem Youtube-Video über das Gebetstreffen 1986 in Assisi.
„Der neue Advent“
In der Enzyklika bezieht sich Wojtyla auf einen Begriff, den er als „neuen Advent“ bezeichnet und der seiner Ansicht nach mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begann.
Weiter unten im Dokument schreibt er:
„Was müssen wir tun, damit dieser neue Advent der Kirche, der mit dem nahen Ende des zweiten Jahrtausends parallel geht, uns demjenigen näher bringt, den die Schrift »Vater in Ewigkeit«, Pater futuri saeculi, nennt?“ (RH 7)
Hier erwähnt Wojtyla nicht nur erneut seinen „neuen Advent“, sondern spricht nun auch von einer „Kirche des neuen Advents“.
„Dennoch ist sicher, daß die Kirche des neuen Advents, die Kirche, die sich beständig auf die neue Ankunft des Herrn vorbereitet, die Kirche der Eucharistie und der Buße sein muß. Nur unter diesem geistlichen Profil ihrer Lebendigkeit und ihres Handelns ist sie die Kirche der göttlichen Sendung, die Kirche im Zustand der »Mission«, so wie sie uns das II. Vatikanische Konzil dargestellt hat.“ (RH 20)
Wie Dörmann bemerkt, bezieht sich dies nicht auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit. Obwohl dieses Dokument nicht sagt, was Wojtyla genau „erwartet“, scheint es Dörmann, dass es um eine Vision des Weltfriedens geht.
Wojtyla beschreibt die Situation der Kirche: Absätze 2–6
Es ist sehr interessant, dass „Johannes Paul II.“ im Text mehrfach auf seine Vorgänger „Paul VI.“ und „Johannes XXIII.“ Bezug nimmt.
„Ich habe dieselben Namen gewählt wie mein hochverehrter Vorgänger Johannes Paul I. […] Durch diese Wahl nach dem Beispiel meines verehrten Vorgängers möchte ich wie er meine Liebe zu dem einzigartigen Erbe bekunden, das die beiden Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. der Kirche hinterlassen haben, und mich zugleich persönlich bereit erklären, es mit der Hilfe Gottes weiterzuentwickeln.
Durch diese zwei Namen und die beiden Pontifikate bin ich mit der gesamten Tradition dieses apostolischen Bischofssitzes verbunden […]. Johannes XXIII. und Paul VI. stellen eine geschichtliche Epoche dar, die für mich die unmittelbare Schwelle sein soll, von der aus ich, gleichsam mit Papst Johannes Paul I., auf die Zukunft hin voranschreiten will, geführt von unbegrenztem Vertrauen und vom Gehorsam gegenüber dem Geist, den Christus seiner Kirche versprochen und gesandt hat.“ (RH 2)
Er erwähnt zwar die „gesamte Tradition dieses apostolischen Bischofssitzes“, doch letztendlich bezieht er sich ständig auf diese beiden Personen. In den Absätzen 3 und 4 spricht er über die aktuelle (1979) Situation der Kirche und ihre neue „Offenheit“.
„Mit starkem Vertrauen auf den Geist der Wahrheit will ich also das reiche Erbe der letzten Pontifikate antreten. Dieses Erbe hat im Bewußtsein der Kirche auf völlig neue, bisher noch nicht gekannte Weise tiefe Wurzeln geschlagen durch das Werk des II. Vatikanischen Konzils, das von Papst Johannes XXIII. einberufen und eröffnet und dann von Papst Paul VI. glücklich abgeschlossen und mit Ausdauer im Leben der Kirche verwirklicht worden ist.“ (RH 3)
Er räumt also ein, dass das, was seine beiden Vorgänger taten, „auf völlig neue, bisher noch nicht gekannte Weise“ geschah. Er räumt die Neuheit ein, die im Widerspruch zu über 1900 Jahren Kirchengeschichte steht.
Dörmann bemerkt, dass der Begriff des „gegenwärtige[n] Bewußtsein[s] der Kirche“, den Johannes Paul II. in Redemptor Hominis 3 verwendet, lediglich „ein Schlagwort ist, hinter dem sich ein aktualisiertes Verständnis der Kirche verbirgt, das bald Gestalt annehmen wird, ähnlich wie der berühmte Slogan ‚Geist des Konzils‘, und das jeder nach Belieben auslegen kann“.
„Die Kirche ist – entgegen allem Anschein – heute geeinter in der Gemeinschaft des Dienens und im Bewußtsein des Apostolates. Diese Einheit entspringt jenem Prinzip der Kollegialität, das vom II. Vatikanischen Konzil in Erinnerung gerufen worden ist und das Christus selbst dem Apostelkollegium der Zwölf mit Petrus als Haupt eingestiftet hat und im Bischofskollegium ständig erneuert, welches auf der ganzen Erde immer mehr wächst und dabei mit dem Nachfolger des hl. Petrus und unter seiner Leitung geeint bleibt.“ (RH 5)
„Es ist für mich notwendig, all dies am Beginn meines Pontifikates gegenwärtig zu haben, um Gott zu danken, um alle Brüder und Schwestern zu ermutigen und um ferner mit großer Dankbarkeit das Werk des II. Vatikanischen Konzils und meiner großen Vorgänger in Erinnerung zu halten, die diese neue »Welle« im Leben der Kirche hervorgerufen haben, eine Bewegung, die weit stärker ist als die Anzeichen des Zweifels, des Verfalls und der Krise.“ (RH 5)
Wenn man dieses Dokument aus dem Jahr 1979 im Jahr 2026 liest: Es ist unbestreitbar, wie sehr das Gegenteil eingetroffen ist.
Was das „Prinzip der Kollegialität“ betrifft: Es wurde erstmals auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfunden. Dieses Thema ist zu umfangreich, um hier darauf einzugehen. Traditionell besagte die katholische Lehre, dass ein Bischof seine Diözese leitet und der Papst die Weltkirche. Das Zweite Vatikanische Konzil deutet in Lumen Gentium an, dass der Papst und die Bischöfe gemeinsam die Kirche leiten.
In Absatz 6 erwähnt Wojtyla die Ökumene und versucht, die Befürchtungen gläubiger Katholiken zu zerstreuen. Er behauptet: „Die echte ökumenische Arbeit besagt Öffnung, Annäherung, Bereitschaft zum Dialog, gemeinsame Suche nach der Wahrheit im vollen biblischen und christlichen Sinn. Keinesfalls bedeutet sie oder kann sie bedeuten, auf die Schätze der göttlichen Wahrheit, die von der Kirche beständig bekannt und gelehrt worden ist, zu verzichten oder ihnen in irgendeiner Weise Abbruch zu tun.“ (RH 6) Dies ist erneut ein klassisches Beispiel für die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil übliche Gewohnheit, etwas Problematisches zu behaupten und es unmittelbar danach etwas zu relativieren.
Nachdem er über Ökumene gesprochen hat, wendet sich Wojtyla am Ende von Absatz 6 den anderen Religionen zu:
„Was hier gesagt worden ist, muß man auf ähnliche Weise und mit den notwendigen Unterscheidungen auch auf jene Bemühungen anwenden, die auf eine Annäherung mit den Vertretern der nichtchristlichen Religionen abzielen und im Dialog, in Kontakten, im gemeinschaftlichen Gebet und in der Suche nach den Schätzen der menschlichen Spiritualität, die – wie wir wissen – auch bei den Mitgliedern dieser Religionen anzutreffen sind, ihren konkreten Ausdruck finden.“ (RH 6)
Gemeinsames Gebet mit Anhängern anderer Religionen: Was zuvor eine Todsünde gegen das Erste Gebot war, wurde nun vom sogenannten Papst gefördert.
„Geschieht es nicht manchmal, daß die starken religiösen Überzeugungen der Anhänger der nichtchristlichen Religionen – Überzeugungen, die auch schon vom Geist der Wahrheit berührt worden sind, der über die sichtbaren Grenzen des Mystischen Leibes hinaus wirksam ist – die Christen beschämen, die ihrerseits oft so leichtfertig die von Gott geoffenbarten und von der Kirche verkündeten Wahrheiten in Zweifel ziehen und so sehr dazu neigen, die Grundsätze der Moral aufzuweichen und dem ethischen Permissivismus die Wege zu öffnen?“ (RH 6)
Wojtyla behauptet, der Heilige Geist sei für den Glauben der Anhänger falscher Religionen verantwortlich.
Absätze 10–13: Allerlösung
Vor der Wahl Wojtylas erschien ein Buch, das einige seiner Gedanken in der Enzyklika verdeutlicht. Es handelt sich um eine Sammlung von 22 Reden, die Wojtyła 1975 bei den Fastenexerzitien von „Paul VI.“ und seiner Kurie hielt. (Wojtyła wurde 1978 gewählt.) Im folgenden Jahr wurden sie in Italien in Buchform unter dem Titel „Segno di contraddizione“ veröffentlicht. Nach seiner Wahl wurde das Buch ins Englische übersetzt, aus dem ich ins Deutsche übersetze.
„Das itinerarium mentis in Deum [der Weg des menschlichen Geistes zu Gott] entspringt aus den Tiefen der geschaffenen Dinge und aus dem Innersten des Menschen. […] Der Begriff der Unendlichkeit ist dem Menschen nicht fremd. […] So gibt es in ihm, in seinem intellektuellen Verständnis, gewiss Raum für Ihn, der unendlich ist, den Gott von grenzenloser Majestät […]. Dieser Gott wird in Seinem Schweigen vom Trappisten oder vom Kamalduliten bezeugt. An ihn wendet sich der Beduine in der Wüste in seiner Gebetsstunde. Und vielleicht auch der Buddhist, versunken in Kontemplation, während er seine Gedanken reinigt und den Weg zum Nirvana bereitet. Gott in Seiner absoluten Transzendenz, Gott, der die gesamte Schöpfung, alles Sichtbare und Begreifbare, absolut übersteigt… Die Kirche des lebendigen Gottes versammelt alle Menschen, die auf die eine oder andere Weise an dieser wunderbaren Transzendenz des menschlichen Geistes teilhaben.“ (S. 15–17)
Hier behauptet er, dass die verschiedenen Religionen alle nach Gott streben.

Screenshot aus einem Youtube-Video über das Gebetstreffen 1986 in Assisi.
„Die Kirche unserer Zeit ist sich dieser Wahrheit besonders bewusst geworden; und im Lichte dieser Wahrheit gelang es der Kirche während des Zweiten Vatikanischen Konzils, ihr eigenes Wesen neu zu definieren.“ (S. 17)
Wenn die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils einen anderen Charakter hat, dann ist es nicht die katholische Kirche!
Unter Berufung auf das Dokument Gaudium et Spes des Zweiten Vatikanischen Konzils schreibt Wojtyła:
„So fiel die Geburt der Kirche zur Zeit des messianischen und erlösenden Todes Christi mit der Geburt des ‚neuen Menschen‘ zusammen – unabhängig davon, ob sich der Mensch dieser Wiedergeburt bewusst war und ob er sie annahm. In jenem Augenblick erhielt die Existenz des Menschen eine neue Dimension, die der heilige Paulus ganz einfach als ‚in Christus‘ bezeichnet.“ (S. 91)
Pater Dörmann bemerkt: „Der Gottmensch Jesus Christus hat durch Seine stellvertretende Sühne und die Verdienste Seiner Erlösung die Versöhnung der Menschheit mit Gott vollbracht. Diese objektive, universelle Erlösung muss jedoch von jedem Einzelnen angenommen und auf ihn angewendet werden, bevor die subjektive Erlösung zustande kommt. Der Vorgang, die Früchte der Erlösung auf jeden Menschen individuell anzuwenden, wird als Rechtfertigung (dikaioosis, justificatio) oder Heiligung (hagiasmos, sanctificatio) bezeichnet, wobei die Frucht der Erlösung die Gnade Christi ist.“ Mit anderen Worten: Das Opfer Christi am Kreuz hätte ausgereicht, um jeden Menschen zu retten, aber nicht alle Menschen nehmen Gottes Gnade an. Daher kommen manche Menschen in die Hölle.
Es gibt viele weitere Aussagen in dem Buch, die harmlos klingen, aber im Kontext der universellen Erlösung eine neue Bedeutung erhalten.
Absatz 10
„Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. […] Und eben darum macht Christus, der Erlöser, wie schon gesagt, dem Menschen den Menschen selbst voll kund. Dieses ist – wenn man sich so ausdrücken darf – die menschliche Dimension im Geheimnis der Erlösung. In dieser Dimension findet der Mensch die Größe, die Würde und den Wert, die mit seinem Menschsein gegeben sind. Im Geheimnis der Erlösung wird der Mensch »neu bestätigt« und in gewisser Weise neu geschaffen.“ (RH 10)
Christus hat uns den Vater geoffenbart, nicht die menschliche Natur selbst!
„Dieses tiefe Staunen über den Wert und die Würde des Menschen nennt sich Evangelium, Frohe Botschaft. Dieses Staunen rechtfertigt die Sendung der Kirche in der Welt, auch und vielleicht vor allem »in der Welt von heute«. Dieses Staunen und zugleich die Überzeugung und Gewißheit, die in ihrer tiefsten Wurzel Glaubensgewißheit ist, die aber auf verborgene und geheimnisvolle Weise auch jeden Aspekt des wahren Humanismus beseelt, ist eng mit Christus verbunden.“ (RH 10)
Heißt das also, das Evangelium sei gleichbedeutend mit dem Staunen des Menschen für sich selbst?! Und leitet sich der Auftrag der Kirche aus diesem egozentrischem „Staunen“ ab? Nein, den Auftrag hat Christus selbst seiner Kirche anvertraut: „Gehet also hin, und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes; und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ (Mt 28,19-20)
Absätze 11-12
In diesen beiden Absätzen möchte ich nur auf eine Sache eingehen. „Johannes Paul II.“ behauptet: „Dank dieser Einheit können wir uns zusammen dem großartigen Erbe des menschlichen Geistes nähern, das sich in allen Religionen kundgetan hat, wie die Erklärung Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils sagt.“ (RH 12)
Ist also die aztekische Religion, in der Priester Menschenopfer darbrachten, indem sie ihnen das Herz herausschneiden, Teil des „großartigen Erbes des menschlichen Geistes“?


